Full text: Volume (Bd. 35 = N.F. 23 (1896))

Formen des Unrechts und Thatbestände der Schadenstiftung. 419
Schaden, der ohne Verschulden durch derartige Bewegungen
eines Zurechnungsfähigen geschehen ist, natürlicher Anschauung
nach als ganz außerhalb seines eignen Wirkens und Handelns
liegend erscheint. Diese Verschiedenheit hat aber in dem eben
dargelegten Unterschiede ihren tieferen Grund.
Selbstredend ist die Verantwortlichkeit Unzurechnungs-
fähiger dann ausgeschlossen, wenn ein Verschulden seitens der
Aufseher vorliegt (siehe oben S. 414). Es mag aber auch
bemerkt werden, daß unsere Deduktion ein geordnetes Irren-
wesen voraussetzt, durch welches die Freiheit jener Personen
überhaupt in angemessenen Schranken gehalten wird. Für
die Schäden aber, welche durch die Freiheit, die ihnen inner-
halb dieser Schranken in ihrem eigenen Interesse gelassen wird,
verursacht werden, sind sie verantwortlich, eben weil vom Ge-
sichtspunkte der Finalität die mechanischen Akte aus die In-
dividualität jener Personen zurückgesührt werden können und
müssen.
Beim Minderjährigen kommt zu jenem Interesse der Be-
wegungsfreiheit das Interesse einer verhältnißmäßig größeren
Handlungsfreiheit hinzu, die für ihn ein kräftiges Erziehungs-
mittel ist. Die Verantwortlichkeit wird hier auch in einem
entsprechenden Grade thatsächlich erhöht. Die Deduktion
ist aber ganz von derselben Art wie oben: die Freiheit der
Minderjährigen müßte, wenn keine Verantwortlichkeit bestände,
in engeren Schranken gehalten werden, als es mit ihrem
wahren Vortheil sich vereinigen ließe. Die Freiheit, die ihnen
gelassen wird, kommt ihnen also in eigenem Interesse zu. Der
Gesichtspunkt der Finalität knüpft daher die Schäden, welche
durch die Freiheit verursacht sind, an die Individualität jener
Personen an. Auch diese Verantwortlichkeit ist aber nach der
Natur der Sache nur subsidiär und hat, wie die der Wahnsinnigen,
zur ethischen Voraussetzung, daß jene Freiheit durch die In-

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