Full text: Volume (Bd. 35 = N.F. 23 (1896))

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Sjögren,

dem Rechtsbewußtsein eine einigermaßen (siehe oben S. 349)
befriedigende Erklärung hinsichtlich jener Stellung der That-
sachen innerhalb des Tatbestandes abgeben kann. Hierin
liegt kein Dogmatismus, sondern nur eine Fragestellung, deren
Richtigkeit aus dem oben Gesagten hervorgehen dürfte.
Es folgt nun schon aus jener Fragestellung, daß — in-
soweit nach der Ursache eines Schadens gefragt wird, für
welchen Ersatz zu leisten ist — die beiden einander ent-
gegengesetzten Richtungen in der Lehre von der rechtlichen
Bedeutung der natürlichen Kausalität, wie sie in der Litteratur
vertreten worden ist, zurückzuweisen sind. Es ist dies einer-
seits die Anschauung, welche der Kausalität eines Menschen,
mag sie von seinem Willen ausgehen oder nicht, die Kraft
zuschreibt, die Verantwortlichkeit für Schäden zu begründen,
was aber dem Rechtsbewußtsein, bezw. den positiven Gesetzen
zuwider ist; andererseits die Theorie, welche einst v. Bar auf-
stellte, die auf eine Identifikation der Kausalität, welche die
Verantwortlichkeit begründet, mit der zwischen Thatbeständen
und Rechtsfolgen bestehenden Kausalbeziehung hinausläuft. Jene
Ansicht trennt, was nur zu unterscheiden ist, diese unterscheidet
nicht, wo ein Unterschied in der That besteht, v. Bar's
Theorie enthält jedoch einen richtigen Kern, der nicht zu über-
sehen ist (vgl. Sigwart, Logik, II S. 469). Es ist nämlich
das Verschulden im Thatbeftande der Schadenzu-
fügung ein Kriterium oder ein symptomatisches Moment für
das Dasein einer rechtlich relevanten Kausalität, d. h. einer
solchen, die eine Verantwortlichkeit begründet. Das Verschulden
einer Person beweist, daß der Schaden auf ihren Willen
zurückzuführen ist, m. a. W. daß der Wille als die Ursache
der Erscheinung mit Recht bezeichnet werden kann. Schuld
und Ursache müssen unterschieden werden, das Indicium oder
das Beweismittel kann ja mit dem Beweisthema nicht iden-

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