Full text: Volume (Bd. 35 = N.F. 23 (1896))

Formen des Unrechts und Thatbestände der Schadenstiftung. 389
welche die sich ihr entgegenstellenden Hindernisse zu überwinden
strebt. Und ebenso sind die Thatbestände, aus welchen die
subjektiven Rechte entstehen, nicht bloße Abstraktionen oder die
logischen Voraussetzungen der Rechtsfolgen, sondern reale Kräfte
von bestimmter Art und Stärke. Nicht jedes Hinderniß aber
soll auf dem Wege Rechtens beseitigt werden. Entstehen mit
den Thatbeständen keine Rechtsfolgen oder werden die nor-
malen Wirkungen jener, nachdem das Recht selbst einmal ent-
standen ist, paralysirt, so liegt deshalb nicht gleich ein rechts-
widiger Zustand vor. Was da ist, kann vielmehr eine bloße
Rechtsvereitelung sein, und zwar eine solche, die weder
als verbotene Handlung zn strafen noch sonst von Rechtswegen
abzuwehren ist. Vgl. IHering in diesen Jahrbüchern X
S. 317 ff. Für das Dasein eines rechtswidrigen Zustandes wird
außerdem vorausgesetzt, daß das subjektive Recht seinem Wesen
nach fortbesteht. Dies folgt aus dem Postulate, daß das
subjektive Recht ein selbständiges Maß für das civile Unrecht
an die Hand geben muß. Die Abgrenzung des rechtswidrigen
Zustandes wird daher durch den Charakter der möglichen
Rechtsfolgen bestimmt. Wo gar keine Rechtsfolgen vom ob-
jektiven Rechte vorgesehen sind, da ist auch kein Grund vor-
handen, den Zustand als einen rechtswidrigen zu bezeichnen:
das subjektive Recht ist dann in der Richtung, in welcher
z. B. das Objekt des Rechts durch die Störung getroffen ist,
nicht ausgebildet. Aber andererseits muß gefordert werden,
daß der Thatbestand des subjektiven Rechtes noch fortwirkt,
m. a. W., daß eine Forderung auf die entsprechende Umge-
staltung des Thatsächlichen (der Lebensbeziehungen) noch zu
Recht besteht, eine Forderung auf einen Rechtsschutz, der in
der Form eines Zurückkehrens des thatsächlichen Zustandes zu
dem rechtlichen realisirt werden kann. Denn sonst wäre es
zwar denkbar, daß der neue Zustand ein Moment im Thal-

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