Full text: Volume (Bd. 35 = N.F. 23 (1896))

Formen des Unrechts und Thatbestände der Schadenstiftung. 349
die Konsequenz hinsichtlich des Rechtslebens die sein, daß das
Recht, als Subjekt der rechtlichen Dispositionen gedacht, seine
Wirkungen, die Rechtsfolgen, an völlig frei gewählte Thatsachen
knüpfte: die Regelmäßigkeit des Rechts, wenn eine solche noch
anzunehmen wäre, würde mit der Regel des Lebens in gar
keinem Zusammenhänge stehen.
Das objektive Recht wäre dann als die einzige Causa
der rechtlichen Dispositionen zu bezeichnen. Unserer Ansicht nach
giebt es aber bis auf ein gewisses Etwas einen natürlichen
(d. h. vom objektiven Rechte unabhängig existirenden) Zusammen-
hang zwischen der Natur und dem sachlichen Inhalte der That-
bestände einerseits und der realen Bedeutung der Rechtsver-
hältnisse (der Rechtsfolgen) andererseits, einen Zusammenhang,
dessen Erforschung der dogmatischen Wissenschaft obliegt. Nur
ist hervorzuheben, daß die hierher gehörigen Untersuchungen zu
keinem einfachen, klaren Ergebniß führen können, eben weil
der Zusammenhang kein bloß logischer, sondern in erster Linie
ein ethischer ist. Es ist ein ethischer Zusammenhang, dem
aber therlweise physische und individual- wie sozialpsychologische
Thatsachen zu Grunde liegen9 10).
Wir behaupten daher: wenn die Kausalität die allgemeine
Daseinsform des natürlichen Lebens ist, so kann die Regel des
Rechts, nach welcher aus Thatbeständen die Rechtsfolgen her-
vorgehen. kerne von jener Regel der Lebensverhältniffe toto
genere verschiedene Form des Zusammenhangs sein. Der
Zusammenhang zwischen Thatbeständen und Rechtsfolgen muß
der Kategorie der Kausalität unterliegen, nur muß die Iden-

9) DieS darf nicht im Sinne P ernice' s (in der Zeitfchr. f. d. Privat-
11. öffentl. Recht, vn S. 492) verstanden werden: ihm ist dies Etwas daS
Zwangsmoment, u. E. eine selbständige Form des Ethos, die von der staat-
lichen Macht aus geht.
10) Bgl. Merkel in diesen Jahrbüchern, xxxii S. 38.

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