Volltext: Jherings Jahrbücher für die Dogmatik des bürgerlichen Rechts (Bd. 35 = N.F. 23 (1896))

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C. Crome,

bespricht, und von welcher der Verfasser des Urtheils sichtlich
ausgegangen ist. Thatsächlich handelt sich's in diesem Fall
gar nicht um Theilnahme Mehrerer an einem sondern um
die Begehung mehrerer selbständiger Delikte durch
mehrere Personen, die nur zufälliger Weise denselben Schaden
verursacht haben. Der Fall ist mit dem oben nach Anm. 6
besprochenen identisch: es handelt sich daselbst um verschiedene
an einem Orte liegende Fabriken, die durch ihren - Betrieb
einem gemeinschaftlichen Nachbar einen Schaden verursachen.
Hat jeder der Industriellen lediglich für sich gehandelt, ohne
Kenntniß von dem Thun der Anderen und den möglichen
Folgen dieses mehrfachen Thuns, so kann von einem gemein-
schaftlich begangenen Delikte keine Rede sein; jeder haftet lediglich
für die Folgen seines Thuns, also entweder für den ganzen
oder einen gewissen selbständigen Theil des Schadens, der sich
objektiv gerade auf sein Thun zurückführen läßt. Andernfalls
haftet er gar nicht, wie auch die gemeinrechtliche Entscheidung
des Reichsgerichts B. 16 S. 144 mit Recht angenommen
hat. Denn das Thun der Andern, welches seine eigene Thä-
tigkeit verstärkte, ist für ihn in diesem Falle eine fremde Ur-
sache des Schadens, für die er nicht haftet, weil er sie nicht
voraussehen konnte. Dagegen haftet Jeder auch in diesem Falle
ganz und es tritt somit Solidarität der Haftbarkeit ein, wenn
objektiv die Thätigkeit eines jeden der selbständig Handelnden
genügte, um den ganzen Schaden herbeizuführen. Diese
Unterscheidung wird man freilich bei Laurent vergeblich
suchen.
Ebensowenig aber paßt diese Heranziehung des Falles
mehrerer selbständiger Delikte mit derselben Schadensfolge
auf den in dem cit. Urtheil zur Entscheidung stehenden Fall,
in welchem gerade nur ein Einziger den Schaden herbei-
geführt haben kann, nur daß man diesen Haupt- und eigent-

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