Full text: Jherings Jahrbücher für die Dogmatik des bürgerlichen Rechts (Bd. 35 = N.F. 23 (1896))

Von der Solidarität aus unerlaubten Handlungen- 119
hat, die anderen Angreifer bezw. deren Väter nicht mehr
in Anspruch genommen werden können, obwohl im vorliegenden
Rechtsstreit keine Veranlassung war, auf diese Frage einzugehen.
Aber im gleich unten besprochenen zweiten Urtheil wird auch
auf diese Frage zu kommen sein.
Statt dessen wehrt sich aber das Reichsgericht S. 329
geradezu gegen die Annahme der Solidarität auch in dem un-
vollkommenen Sinne, in welchem sie oben dem gesetzlichen
Korrealverhältniß entgegengesetzt wurde, und nimmt hier geradezu
gegen die 8o1. imparfaite als „etwas Haltloses und dem Ge-
setze Fremdes" Stellung. Nun möchte ich wohl wissen, worin
sich das, was das Reichsgericht nach den Ausführungen
des vorigen Absatzes Lmplieite selbst anerkennt, von dem unter-
scheidet, was es hier verwirft! Die Ausdehnung der unvoll-
kommenen Solidarität auf Fälle, welche im Gesetze selbst mit
den Wirkungen der vollkommenen bekleidet sind (eine Ausdehnung,
die oben zurückgewiesen wurde), steht hier nicht in Frage und
kann also, wenn sich das Urtheil nicht höchst überflüssiger,
redseliger Breite befleißigte, hier nicht gemeint sein. Von dieser
Stelle ab bis zum Schluß von S. 330 ist aber für die Beur-
theilung der zur Entscheidung stehenden Frage fast jeder Satz
bedenklich. Da heißt es weiter, daß aus Verwerfung der ge-
setzlichen Solidarität die Haftung der einzelnen Theilnehmer
pro rata noch nicht folge, daß vielmehr Jeder dann für
das Ganze in Anspruch genommen werden könne, wenn schon
in Bezug auf ihn allein — ganz abgesehen von der Mit-
wirkung Anderer — die thatsächlichen und rechtlichen Voraus-
setzungen der Deliktshaftung gegeben seien. Ist das der hier
in Rede stehende Fall? Durchaus nicht! Es ist der Fall,
den L a u r e n t an anderer Stelle — bei der Deliktshaftung18) —

18) Principes B. XX n. 541 S> 582.

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