Full text: Volume (Bd. 35 = N.F. 23 (1896))

Von der Solidarität aus unerlaubten Handlungen.

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desselben durch eigenes Thun zu treten habe u. dgl., — Fragen,
welche hier auf sich beruhen können. Denn die culpa als
Voraussetzung der Deliktshaftung wird im geltenden Rechte
nicht mit Erfolg bestritten werden können "). Weil also die
erwähnten Sätze, wie soeben bemerkt, im besten Sinne aus
der Natur der Sache folgen, ohne daß es für dieselben einer
positiven Rechtsvorschrift bedarf, gelten sie auch in § 753 des
II. Entwurfs, der nicht mehr ausdrücklich Solidarität der
Haftung verfügt, ebenso wie schon bisher im französischen
Recht, das eine solche Vorschrift allgemeinen Inhalts über-
haupt nicht kennt. Freilich ist in letzterem Recht der Grundsatz
von der solidarischen Haftbarkeit der Theilnehmer weit entfernt,
allgemein anerkannt zu sein; und darin liegt das Interessante
an der Sache, daß dieses Schweigen des Gesetzes die Doktrin
genöthigt hat, dem Kern der Frage auf den Grund zu gehen.
Das ist Manchen freilich nur höchst unvollkommen gelungen.
Vor allem der im rheinischen Rechtsgebiet und selbst vom
Reichsgericht^") höchst überschätzte Buchstabeninterpret des

9) Auch in der zweiten Lesung des Entwurfs des Bürg. Gesetzbuchs
beabsichtigte man nicht von diesem Grundsatz abzugehen. S. Conrad's
Jahrbücher f. Nationalökonomie u. Statistik, 3. Folge Bd. 5 S. 245 ff.
10) Davon geben nicht nur die rheinischen Entscheidungen des
II. Civilsenats dieses Gerichtshofs allenthalben Zeugniß, sondern es ist mir
von einem Mitgliede desselben in einer Kritik meiner „Grundlehren
des franz. Obligationenrechts" (1894) geradezu vorgeworfen worden, daß
ich mich in diesem Werke verschiedentlich von einer gewissen „Feindseligkeit"
gegen Laurent hätte leiten lassen! Dem ist von anderer Seite die Be-
merkung entgegenzustellen, daß meine Neuausgabe des „Handbuchs des
französischen Civilrechts" auf der Grundlage von Zachari ä (1894ff.) mit
Citaten aus den französischen Kasuisten „überlastet" sei! Die eine dieser
Bemerkungen schlägt die andere! Was insbesondere die letztere betrifft,
so hat seinerzeit schon Zachariä selbst aus m. E. vollwichtigen Gründen
gegen dieselbe Stellung genommen und mit Recht hervorgehoben, daß das
„Handbuch" mit Citaten nicht freigebig genug sein könne. Ganz im
Gegensatz zu meinem „Obligationenrecht" und „Allgemeinen Theil" (1892),
XXXV. N. F. XXIII. 8

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