Full text: Jherings Jahrbücher für die Dogmatik des bürgerlichen Rechts (Bd. 35 = N.F. 23 (1896))

Von der Solidarität aus unerlaubten Handlungen.

111

zum Ausdruck gebracht. Dort besteht keinerlei Einverständniß der
verschiedenen Gewerbetreibenden, die durch die Abwässer aus
ihren resp. Etablissements das Wasser des Flusses verunreinigt
haben, und es kommt darauf nicht an, weil thalsächlich fest-
gestellt ist, daß jeder der Beklagten ein solches Quantum
Abfallwafser in den Fluß geleitet hat, daß daraus schon allein
der ganze den Klägern zugefügte Schaden entstehen mußte.
Hier kann von einer Theilung dieses letzteren füglich keine
Rede sein: dazu bedürfte es nicht der 1. 11 § 2, 1. 51 pr.
D. ad 1. Aqu. etc., die für diesen Grundsatz angeführt werden;
er folgt unmittelbar aus der Natur der Sache, weil Jeder
den ganzen Schaden verursacht hat und ein Maßstab für die
Theilung überhaupt nicht aufzufinden ist. Jeder Schadenstifter
ist selbständig verpflichtet, den Nachtheil wiederherzustellen,
den er durch sein Verschulden herbeigeführt hat; der Gläubiger
kann diese Wiederherstellung allerdings nur einmal verlangen,
aber nach seiner Wahl von jedem Schadenstifter; keiner der
letzteren kann dem Gläubiger gegenüber daraus einen Vortheil
ziehen, daß andere Personen aus einem ihm fremden Grunde
zu derselben Leistung verpflichtet sind. Wäre letzteres der Fall,
so würde die Lage des Verletzten bei mehrfacher Beschädigung
geradezu verschlechtert, während sie an sich doch eine bessere
sein muß.
Reicht dagegen die Thätigkeit des Einzelnen für sich
allein zur Hervorbringung des schädlichen Erfolgs nicht aus,
so würden die citirten Stellen und jene Entscheidung des
Reichsgerichts nicht passen, und die Haftung der Einzelnen,
deren vereinte Thätigkeit diesen Erfolg herbeisührte, tritt nur
auf Grund eines Theilnahmeverhältnisses, also insbesondere
dann ein, wenn die ergänzende Thätigkeit der Anderen gewollt
und der Erfolg voraussehbar war. Die Haftpflicht stuft sich
nach dem Antheil der Einzelnen am Schaden ab, wenn dieser

Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer