Full text: Volume (Bd. 32 = N.F. 20 (1893))

Der Besitz.

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bei den Römern die Sklaven. Ein physisches Gewaltverhältniß
über die Sache liegt in allen diesen Fällen nicht vor, die
Sicherheit des Besitzers beruht nicht darauf, daß er in der
Lage ist, „die Einwirkung fremder Personen auf die Sache
auszuschließen" (S avigny), sondern darauf, daß das Gesetz
sie verbietet, nicht auf der physischen, sondern auf der
rechtlichen Absperrung.
Der Gegensatz wiederholt sich auch bei den unbeweg-
lichen Sachen in Gestalt der durch mechanische Vorrichtungen
(Mauern, Gitter. Planken, Hecken rc.) abgesperrten (Häuser,
Gärten, Holzplätze, Bauplätze re.) — ich nenne sie sperrbare
— und der offenen, freien, der Einwirkung Dritter ganz
so wie der des Besitzers zugänglichen. Die Behauptung, daß
für den Besitzer an diesen Sachen ein physisches Gewaltver-
hältniß existire, ist eine so ungeheuerliche, der Vorstellung,
welche die Sprache mit dem Ausdruck Gewalt verbindet, sv
schnurstracks zuwiderlaufende, daß ich mich jeden Wortes zur
Widerlegung glaube enthalten zu können.
Warum wird der Besitz vom Rechte geschützt ? Doch nicht
etwa darum, um dem Besitzer den Hochgenuß des Gefühls,
physischer Herrscher über eine Sache zu sein, zu verschaffen,
sondern um ihm die ökonomische Verwendung derselben
für seine Zwecke zu ermöglichen (S. 43). Legt man diesen
Gesichtspunkt zu Grunde, so wird alles klar. Mist,-Bau-
material rc. bringt man nicht ins Haus, Geld, Möbel, Werth-
sachen re. lagert man nicht auf freiem Felde. Jeder weiß, wie
er es mit seinen Sachen nach Maßgabe ihrer Verschiedenheit
zu halten hat, und diese normale Gestaltung des Ver-
hältnisses des Eigenthümers zur Sache ist der
Besitz.
Das ist der Besitzbegriff, durch den die römischen Juristen,
wenn sie ihn auch nirgends als solchen ausgesprochen haben.

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