Volltext: Jherings Jahrbücher für die Dogmatik des bürgerlichen Rechts (Bd. 32 = N.F. 20 (1893))

Der Besitz. 65
mung des Rechts hatten zusprechen müssen, haben sie ihm
aberkannt *).
Ich lege bei der Frage, ob Besitz ein Recht oder Faktum
sei, die von mir an anderer Stelle (Geist des R. R. IV. § 60,
01) ausführlicher begründete Begriffsbestimmung des Rechts
;u Grunde: Rechte sind rechtlich geschützte Interessen. Sie ist
auf Widerspruch gestoßen. Wenn ich sie an der gegenwärtigen
Stelle gegen denselben aufrecht erhalte, so geschieht es nicht
bloß, um das Publikum, für welches dieses Werk bestimmt
ist, in den Stand zu setzen, sich über die rechtliche Natur des

i) Statt Aller nenne ich W i n d s ch e i d. In seinem Lehrbuch des
Pandektenrechts I § 37, Aufl. 6, lautet die Begriffsbestimmung des Rechts-
„Die Rechtsordnung (das Recht, im objektiven Sinn, das objektive Recht)
hat auf Grund eines konkreten Thatbestandes einen Befehl zu einem Ver-
halten bestimmter Art erlaffen und diesen Befehl demjenigen, zu Gunsten
dessen sie ihn erlaflen hat, zur freien Verfügung hingegeben .... Dem-
gemäß ist sein Wille maßgebend für die Durchsetzung des von der Rechts-
ordnung erlassenen Befehls". Die Begriffsbestimmung trifft Zug für Zug
für den Besitz zu. Der „Befehl zu einem Verhalten bestimmter Art" (für
den Nichtbesitzer, daß er sich der Eingriffe in den Besitz des Anderen ent-
halten soll) wird erlassen von der „Rechtsordnung" (prätorisches Edikt)
und zum Ueberfluß noch im einzelnen Falle von dem Vertreter derselben
wiederholt (prätorisches Interdikt), er wird erlassen „zu Gunsten" einer
bestimmten Person (des Besitzers) und ihm „zur freien Verfügung gestellt",
sein „Wille ist maßgebend für die Durchsetzung des von der Rechtsordnung
erlassenen Befehls"; will er auf Grund des Interdikts das weitere Ver-
fahren (vor dem judex) nicht einleiten, so kann er es lassen. Wie eS sich
hiermit vertragen soll, wenn derselbe Schriftsteller dem Besitze den Charakter
eines Recht- abspricht (I 8 148: „der Besitz, obwohl kein Recht", weiter
auSgeführt 8 ISO), ist mir unerfindlich, entweder ist seine Definition vom
Rechte unhaltbar oder seine Behauptung, daß der Besitz kein Recht sei.
Aus einen anderen Widerspruch, in den dieser Schriftsteller sich dadurch
verwickelt, daß er die Rechtsnatur des Besitzes leugnet, hat Immanuel
B e k k e r, Das Recht des Besitzes bei den Römern, S. 362 mittelst folgender
Zusammenstellung hingewiesm: der Besitz ist kein Recht (8 148), das Ver-
mögen ist em Komplex von Rechten (8 42), der Besitz ist ein Stück de-
Vermögens (8 isi).
XXXII. N. F. XX.

s

Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.

powered by Goobi viewer