Full text: Volume (Bd. 32 = N.F. 20 (1893))

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Der Besitz.
Eigenthum und Anspruch auf Besitz ist gleichbedeutend. Um
seinen Anspruch auf Herausgabe des Besitzes zu verwirklichen,
dafür bedarf es für den Eigenthümer keines weiteren als:
Nachweis des Eigenthums in seiner Person, der durch den
Beweis eines der vom Rechte vorgezeichneten Erwerbungs-
gründe desselben erbracht wird, und Dasein des Besitzes in
der Person des Beklagten. Eigenthum und Besitz treten sich
hier ohne Beimischung irgend welcher anderer Momente, ich
möchte sagen: in vollendeter begrifflicher Reinheit gegenüber,
um sich miteinander zu mesien, und dadurch unterscheidet sich
dieser Kampf um den Besitz von dem obengenannten, wo sich
in der Person des Beklagten noch das Moment der subjektiven
Widerrechtlichkeit hinzugesellt, an dem es hier fehlt. An dies
Moment knüpft das Recht die Wirkung der dauernden
Haftung des Schuldigen auch im Falle der Entäußerung des
Besitzes. Die Klage ist dadurch nicht bedingt, daß der Be-
klagte zur Zeit ihrer Erhebung die Sache noch in Händen hat,
während die Eigenthumsklage, die lediglich die Thatsache, daß
ein Anderer besitzt, zu ihrem Grunde hat, das Dasein des
Besitzes in dem Momente ihrer Erhebung voraussetzt.
Die vorstehende Ausführung hat von der eigenthümlichen
rechtlichen Bedeutung, welche dem Besitze als solchem im
römischen und in allen sich ihm anschließenden neueren Rechten
zukommt, noch nicht das Mindeste beigebracht. Sie hat den
Besitz betrachtet in seiner Beziehung zum Eigenthume, und ihr
Ergebniß saßt sich in die Sätze zusammen:
1) Dem Eigenthümer ist der Besitz für die ökonomische Der-
werthung seines Eigenthums unentbehrlich.
2) Mit dem Eigenthumsbegriff ist daher das Recht des
Eigenthümers zu besitzen nothwendigerweise gesetzt.
3) Mit diesem Rechte würde es sich nicht vertragen, wenn
der Eigenthümer nicht gegen unrechtmäßige Entziehung

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