Full text: Volume (Bd. 32 = N.F. 20 (1893))

Revokatorische Klage bei Familienfideikommissen. 455
4) Der Satz, daß der Erbe kaela äekuveti zu prästiren
habe, bildet den einzigen23) direkten Beweisgrund der geg-
nerischen Lehre. Der Gedanke, daß derselbe schon für das
gemeine römische Recht eine bedenkliche Verallgemeinerung
gewisser einzelner konkreter Rechtssätze enthalte *4), wird schon
durch das bisher Erörterte nahegelegt. Und auch die Ver-
bindung, in die er mit gewissen angeblichen oder wirklichen
Grundprinzipien des Erbrechts gesetzt wird, läßt ihn jedenfalls
für unsere Frage keine erhöhte Beweiskraft gewinnen. Wird
er als Folgerung des Rechtsgedankens ausgegeben, daß die
Persönlichkeit des Erblassers im Erben sortlebe"), so muß
daran erinnert werden, daß diese Auffassung selbst in neuerer
Zeit mehr und mehr als eine unnöthige Fiktion von den Pan-
dektisten verworfen wird Wird er aber als ein Postulat
des Wesens der erbrechtlichen Gesammtnachfolge (Universal-
succession) ausgefaßt, so läßt sich ohne Schwierigkeit zeigen,
23) Gelegentlich tritt bei Lewis S. 256 der Gedanke hervor, daß
„der Erbscha'tsantritt gleichsam ein stillschweigender Verzicht auf die
Anfechtung der Veräußerung, eine stillschweigende Einwilligung in dieselbe"
sei. Daß mit diesem Gedanken nicht eine selbständige Rechtfertigung für den
Ausschluß des Allodialerben versucht sein kann, geht schon daraus hervor, daß
auf Grundlage eines Verzichts nur derjenige Allodialerbe ausgeschlossen
sein könnte, welcher in Kenntniß der geschehenen Veräußerung die Erb-
schaft angetreten hat, ganz abgesehen davon, daß der Erbschaftsantritt keine
dem Erwerber des Gutes gegenüber abgegebene Erklärung darstellt. Vergl.
Dernburg, Pandekten § 55 bei Note 5 und oben unter Nr. l.
24) Vergl. Pfaff und Hofmann, Exkurse II S. si, 237. Die
ältere Theorie (z. B. Weber, Lehnrecht S. 457, v. Salza S. 155)
formulirte vorsichtiger dahin, daß der Erbe durch den ErbschastSantritt
verbunden werde, „alle die facte des Verstorbenen zu leisten, welche entweder
auf die in seiner Gewalt befindlichen oder von der Willkür des Erben ab-
hängigen Sachen Bezug haben."
25) z. B. bei Seuffert VI Nr. 231.
26) Vergl. statt Anderer Windscheid, Pandektenrecht lll § 528
Note 7..

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