Full text: Volume (Bd. 32 = N.F. 20 (1893))

Revokatorische Klage bei Familienfideikommissen. 453
a) Der Erblasser, welcher eines Dritten Sache ver-
äußert, kann nicht demjenigen gleichgestellt werden, welcher
eine verbotene Fideikommißveräußerung vornimmt. Die letztere
ist gegenüber der Veräußerung fremden Eigenthums im Sinne
der uns hier beschäftigenden Frage nicht ein minus, sondern
umgekehrt das maius. Denn es kann nicht zweifelhaft sein,
daß das besondere Veräußerungsverbot, welches das Fidei-
kommißgut zu einem bestimmten, vom Recht anerkannten
sozialen Zwecke verstrickt, und welches sich als ein Ausdruck
der dem Fideikommißbesitzer gerade den Anwärtern gegenüber
obliegenden positiven Pflicht darstellt, ihnen das Familien-
gut unvermindert zu bewahren und zu hinterlassen18), im
Sinne der privaten Rechtsordnung eine größere Intensität
besitzt, als die allgemeinen, rein negativen Schranken, welche
sich der Möglichkeit einer vollwirksamen Verfügung über
fremdes Eigenthum entgegenstellen. Aus der Thatsache, daß
dem vindizirenden Eigenthümer einer von seinem Erblasser
veräußerten Sache die Erbenqualität entgegengehalten werden
kann, folgt daher noch nicht, daß die Rechtsordnung dies auch
gegenüber dem Fideikommißsuccessor gestattet, welchem sie
ein besonderes Recht auf Empfang der Sache aus den
Händen des Erblassers beilegt. Nicht ohne Grund hat also
schon die ältere Literatur19) eine gewisse, für die Bejahung
unserer Frage verwerthbare Analogie darin gefunden, daß ja
auch der Patron, welcher die Erbschaft des Libertus antrat,
das zu seinem Nachtheil Veräußerte widerrufen darf2 ö) oder die

18) Vgl. oben § 5 Ziffer 3 bei Note 23 und a. E. — Lewis S.
209, 215.
19) So nach dem Vorgänge Anderer Weber, Handbuch des Lehn-
rechts IV S. 459.
20) 1. 3 § 3 D. si quid in fraud. patr. 38, 5; 1. 2 Cod. si in fraud.
patr. 6, 5. Weber a. a. O. Note a.

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