Full text: Volume (Bd. 32 = N.F. 20 (1893))

Revokatorische Klage bei Familienfideikommissen. 449
reich durchführt. Wie aber dieses Resultat eines gemein-
schaftlichen Besitzes des Fideikommißgutes durch ein berufenes
Familienglied und einen Fremden mit der Idee eines unver-
äußerlichen und untheilbaren Familiengutes praktisch -in Ein-
klang gebracht werden kann, ist nicht erfindlich. Augenschein-
lich wird man zu der Lösung gedrängt, wenigstens dem Theil-
erben, da nur so seinem mindestens theilweise anzuerkennenden
Interesse als Fideikommißsuccessor ausreichend genügt werden
kann, die Revokation aufs Ganze gegen Entschädigung des
Beklagten in Höhe der dem Kläger zugefallenen Erbschafts-
quote zu gewähren, womit dann der hier vertretene Stand-
punkt in einer sehr erheblichen Reihe von Fällen der Haupt-
sache nach zur Geltung gebracht ist.
Und ganz ähnlich, eher noch komplizirter, liegen die
Sachen, wenn der Allodialerbe die Erbschaft cum beneüeio
inventarii angetreten hat. Auch hier ist die Theorie rasch
mit dem Satze bei der Hand, daß der Benefizialerbe der
exceptio rei venditae et traditae nur soweit unterliegen
darf, als er dadurch an seinem Vermögen keinen Schaden
leidet^). Aber wie, wenn der reine Nachlaß nicht ausreicht,
um ein dem Werthe des Fideikommisses entsprechendes Kapital
auszusondern, jenes Postulat anders praktisch zu verwirklichen
ist, als daß man dem Benefizialerben das ihm jedenfalls
zu einem entsprechenden Theile^) einwendungsfrei gebührende
Fideikommißgut ganz zuspricht und den Beklagten auf die
Liquidirung seines Interesses bei der Erbschaftsmaffe verweist,
wird schwer zu sagen sein. Und dieses Resultat würde auch
sicher der modernen Auffassung des beneüeium entsprechend
erachtet werden müssen, welche den Benefizialerben nicht mehr
4) Leonhard a. a. £>. (vgl. oben § 8 Note 10) S. 187 Note 3;
Wiebeking S. 53 f. und Lewis S. 273 oben.
5) Dazu Wiebeking a. a. O.

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