Full text: Volume (Bd. 32 = N.F. 20 (1893))

Revokatorische Klage bei Familienfideikommissen.

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es aber auch — wie angenommen werden muß — falls der
Veräußerer die Klage unterläßt, unmittelbar auf Herausgabe
des Gutes an ihn (den Kläger) selbst. Es wäre eine theo-
retisch unnöthige und wenig praktische Halbheit, wenn man in
diesem Falle die Klage etwa nur auf Herausgabe zu gericht-
licher Administration gewähren wollte. Nach allem Festge-
stellten hat vielmehr der Beklagte in Folge der Nichtigkeit des
Veräußerungsgeschäftes keinerlei Recht am Gute, während der
Anwärter sein Anwartschaftsrecht daran zur Geltung bringt,
welches durch die Entfremdung des Gutes außerhalb des
Familienkreises verletzt ist, gleichviel, ob die Veräußerung bona
oder mala fide erfolgt ist. Die letztere für die Verwirkung
maßgebende Thatsache steht lediglich im Verhältniß des Fidei-
kommißherrn zum Anwärter zur Frage, so daß allerdings,
wenn sie zu Gunsten des ersteren beantwortet wird, der letz-
tere ihm das Fideikommißgut mit den Rechten eines bonao
fidei possessor zu restituiren verpflichtet ist.
Ganz Analoges muß dann aber weiter von dem Revo-
kationsrechte der entfernteren Anwärter im Verhältniß zum
nächsten gelten. Was das Klagerecht der entfernteren An-
wärter anlangt, so steht zunächst so viel fest, daß die ge-
nehmigende Zustimmung eines näheren Agnaten zur Ver-
äußerung ebenso behandelt werden muß, wie die Veräußerung
des Fideikommißbesitzers selbst, und daß daher der konsentirende
Agnat einerseits mit der Revokationsklage nicht durchdringt2S),
andererseits aber im Verhältniß zu dem ihm folgenden An-
wärter sein Recht auf die Ausübung des ihm zufallenden Fidei-

30. Dez. 1887 (Entsch. in Civ.-Sachen Bd. 21 S. 411) und v. 4. Febr.
1880 (Bd. 26 S. 143).
23) Lewis S. 253 nimmt auch hier den Fall des error facti aus,
allein tatsächlich kann ein Konsens zur Veräußerung des Fideikommiß-
gutes doch nur in Kenntniß dieser Eigenschaft ertheilt sein.

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