Full text: Volume (Bd. 32 = N.F. 20 (1893))

Revokatorische Klage bei Familienfideikommissen.

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Familie nicht entfremdet werden solle, durch den in Folge der
Veräußerung eingetretenen tatsächlichen Zustand verletzt ist
und durch die Klage Wiederherstellung erstrebt. Dieses Re-
sultat wird aber durch die Erkenntniß seiner Uebereinstimmung
mit dem älteren deutschen Rechte wesentlich gefestigt. Denn
in Bezug aus das letztere kann es kaum einem Zweifel unter-
liegen, daß die Klage des in seinem Beispruchsrechte verletzten
nächsten Erben nicht eine auf ein antizipirtes Erbrecht ge-
gründete Eigenthumsklage, sondern die Klage aus dem Wart-
recht 7) gewesen ist. Sagt auch der Sachsenspiegel, daß der
Erbe sich des Gutes mit Urtheilen unterwinde, „als ok de
dot si jene de’t dar gaf“8), so ist damit doch mehr ein
thatsächlicher Vergleich gezogen und ein didaktischer Behelf ge-
geben, als daß eine Fiktion für die juristische Fundamentirung
der Klage aufgestellt werden sollte9). Das wahre Fundament
der Klage wird vielmehr vom Richtsteig Landrechts mit den
Worten in cap. 25 § 1 bezeichnet, daß der Erbe des Eigens
„wardende was na N. dode“10). Daß dem in der That
so ist, geht mit Deutlichkeit aus der von Lab and") nach-
gewiesenen Thatsache hervor, daß die Klage des Beispruchs-

7) Ueber dessen dinglichen Charakter vgl. oben § 5 Note 34.
8) Vgl. oben § 2 Note 8, 13.
9) Die letztere Auffassung wird besonders konsequent durchgeführt von
Zimmerte a. a. O. S. 211 ff.
10) HeuSler, Institutionen II S. 59: „Das dingliche Recht, kraft
dessen der Erbe llagt, ist sein Wartrecht." Vgl. auch, besonder- in nega-
tiver Hinsicht, Stobbe, Handbuch II S. 130.
11) „Vermögensrechtliche Klagen" S. 259 ff., besonder- S. 260, 263,
276: „bald ist es das Anwartschaftsrecht des Erben —, welches das Fun-
dament der Klage bitbet". S. 277 : „Gemeinsam aber ist allen diesen
Fällen, daß der Veräußerer in der Disposition über das Grundstück zu
Gunsten des Klägers beschränkt war, und daß er diese Schranke verletzt
hatte." Vgl. aber doch auch dazu H e u - l e r, Institutionen l S. 394, und
oben tz 5 Note 34.

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