Full text: Volume (Bd. 32 = N.F. 20 (1893))

Revokatorische Klage bei Familienfideikommissen.

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gegenüber die Möglichkeit sofortiger Anfechtung in demselben
Maße der Rechtssicherheit dienlicher ist, wie der Sicherheit des
körperlichen Lebens die sofortige Vollziehung einer unaufschieb-
baren Operation gegenüber einer Verschleppung derselben.
Und während bei solcher Rechtslage, wie sie die herrschende
Theorie annimmt, der mala üdc Erwerber, welcher die Fidei-
kommißqualität des Gutes kennt, doch auch das ihm bevor-
stehende Schicksal zu würdigen und sich (vielleicht wiederum
zum Schaden Anderer) danach einzurichten weiß, ist der gut-
gläubige Erwerber umgekehrt ungewarnt, bis bei Eintritt des
Successionssalles das Fatum in Gestalt der Revokationsklage
über ihn hereinbricht.
2) Die natürliche Vermuthung, daß eine praktisch so an-
fechtbare Lehrmeinung auch theoretisch von Fehlern und Wider-
sprüchen nicht frei sein kann, dürfte im Rahmen der folgenden
Bemerkungen ihre Bestätigung erfahren:
a) Die herrschende Meinung erachtet das verbotene Ver-
äußerungsgeschäst als nichtig, läßt aber den Veräußerer selbst
(abgesehen von dem besonderen Falle des Irrthums desselben
über die Fideikommißqualität des Gutes) mit der rei vindicatio
nicht durchdringen, indem sie derselben die exceptio rei ven-
ditae et traditae entgegenstellt. Es ist klar, daß darin ein
gewisser materieller Widerspruch enthalten ist; denn die ex-
ceptio rei venditae et traditae stellt, wie neuerdings öfters
hervorgehoben worden ift10), für den Erwerber und dessen
Rechtsnachfolger, jedenfalls dem Veräußerer gegenüber, prak-
tisch im Wesentlichen denselben Zustand her, wie er durch ein

10) Leonhard, Inwieweit ist die exceptio rei venditae et traditae
ein für das heutige gemeine Recht lebensfähiges Institut? in den Jahr-
büchern für Dogmatik Bd. 17 S. 183 ff.; besonders S. 804 ff., 806,
815. Dazu Dernburg, Pandekten I § 816 Note 18, auch Wind -
scheid, Pandektenrecht §197 Note 6.

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