Full text: Volume (Bd. 32 = N.F. 20 (1893))

Revokatorische Klage bei Familienfideikommissen.

365

III. Recht des Familienfideikommisses.
A. Sind die Agnaten berechtigt, Veräußerungen
von Fideikommißgut schon vor ihrem Succes-
sionsantritt anzufechten?
8 7. Der Stand der Frage nach gemeinem Recht.
I. Legt man für die folgenden Erörterungen zunächst den
einfachsten Fall der Veräußerung eines Fideikommißgrundstücks
zu Eigenthum des Erwerbers zu Grunde, so läßt sich der Stand
der oben bezeichneten Frage nach gemeinem Recht sicher genug
dahin feststellen, daß dieselbe von einer durchaus herrschenden
Meinung im Prinzip schlechthin verneint wird. Das im We-
sentlichen unbestrittene Dogma der neueren Lehr- und Hand-
bücher *), welches auch in die Praxis seinen Einzug gehalten
hat^), lautet: Veräußerungen von Fideikommißgut können nicht
sofort nach geschehener Veräußerung, sondern von jedem An-
wärter erst von der Zeit des für ihn stiftungsgemäßen Anfalls,
d. h. von dem Momente an, in welchem er, abgesehen von
der geschehenen Veräußerung, zur Folge berufen wäre, ange-
fochten werden. Näher ausgeführt ist dieser Satz in den beiden
größeren Monographien, welche in diesem Jahrhunderte über
das Recht der Fideikommisse erschienen sind, nämlich in dem
1) Ich hebe hervor: Eichhorn, Einleitung in das deutsche Privat-
recht 5. Ausg. (1845) § 369 mit 228 (S. 581 bei Note ä); Gengler
Deutsches Privatrecht (4. Aufl.) S. 202 Ziff. 6; Gerber, System (16.
Aufl.) 8 84 S. 139 a. E.; Beseler, System (4. Aufl.) % 181 S. 821
Note 28; Stobbe, Handbuch (2. Aufl.) ll 8 140 S. 567 bei Note 18;
Gierke im Handwörterbuch der Staatswissenschaften S. 418 Sp. 2 Ziff.
7; Brunuer, Art. „Familienfideikommiß" in v. Holtzendorff's
Rechtslexikon l S. 794.
2) Erkenntn. des Obertribunals Stuttgart vom 9. Januar 1856
(Seuffert, Archiv Bd. 10 Nr. 276 S. 398).

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer