Volltext: Band (Bd. 32 = N.F. 20 (1893))

Revokatorische Klage bei Familienfideikommissen. Z59
läge allein würde sie als die Inhaber eines gegenwärtigen
Rechtes erscheinen lassen 3°). Wenn demgegenüber Lewis3*)
mit Entschiedenheit das Bestehen eines Erbfolge r e ch t e s ver-
neint und dem Fideikommißnachsolger lediglich ebenso, wie
dem Jntestat- oder Testamentserben nur eine rechtliche Aus-
sicht auf die Nachfolge um deswillen zugestehen will, weil
dieselbe für ihn gleichfalls „von der Bedingung, daß der An-
wärter den Tod des jeweiligen Besitzers erlebt, und daß zu
dieser Zeit kein näher Berechtigter vorhanden ist", abhängig
sei, so liegt das Verfehlte dieser Gleichstellung vor Aller Augen.
Die Succession des Jntestat- und Testamentserben steht zur
Disposition des Erblassers bis zu seinem Tode und ist letztens
durch die Thatsache des Vorhandenseins eines erbsolgewürdigen
Nachlasses bedingt, während dem Fideikommißanwärter das
vom Stifter gewidmete Gut durch ein unbedingtes Verbot
der Entziehung, sei es von Todeswegen — die gesetzlichen
Enterbungsgründe nicht ausgeschlossen —, sei es unter Lebenden
30) Ties ist auch die gemeine Meinung. Schon Knipschildt
schreibt cap. VIII § 380 den Agnaten ein ,,IU8 in donis istis ödeicornrnisso
perpetuo aüectis quaesitum et radicatum“ zu. SSoit heutigen Schriftstellern,
außer den schon oben Note 37 citirten Pfaff und Hofmann, besonders
Beseler, System (4.Aust.) US. 819 bei Note 24: „ — die Ansprüche
der Anwärter aber als selbständige dingliche Rechte durch die Fideikommiß-
errichtung begründet sind", ferner S. 821: „Jeder Anwärter hat aus der
Fideikommißbegründung ein selbständiges, wohlerworbenes Recht auf die
Nachfolge rc." Vergl. auch S. 768 f. — Sehr energisch erkennt Gerber
System § 267 Note 2 mit § 274 Note 6 das Folgerecht als ein vor-
handenes, wirkliches Recht mit suspendirter Ausübung an. Gier keim
Handwörterbuch S. 418 Sp. 2: „unentziehbare dingliche Anwartschaft"
mit S. 419 Sp. 2: „Jeder einzelne Anwärter succedirt — kraft eines
ihm vom Stifter direkt verliehenen und vom Vorbesitzer völlig unabhängigen
Rechts." — Aus der Praxis vergl. Entsch. des Reichsgerichts in Civilsachen
Bd. 26 S. 153: — „denn ein Fideikommißanwärter hat ein, nach dem
Willen des Stifters bereits erworbenes, wenngleich nur bedingtes Recht
auf die Fideikommißnachfolge."
31) Recht des Fideikommisses S. 327 f.

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