Full text: Volume (Bd. 32 = N.F. 20 (1893))

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Heinrich Rosin,

4) Die Beschränkungen, denen der Fideikommißbesitzer
unterliegt, sind nicht bloß Aeußerungen objektiven Rechtes,
auch nicht bloß passive oder Vor-Wirkungen zukünftiger sub-
jektiver Rechte Anderer27), sondern das Korrelat und die Kehr-
seite wahrer gegenwärtiger, dinglicher Rechte der Anwärter
am Fideikommißgute. Man kann sich dieses Verhältniß da-
durch verdeutlichen, daß, sowie man dem Fideikommißbesitzer
formales, aber beschränktes Eigenthum zuschreibt, man in dem
Rechte der Anwärter materiell ein durch das Recht des Be-
sitzers zurückgehaltenes Fideikommißeigenthum erblickt. Damit
ruft man nicht allein die urwüchsige Auffassung des deutschen
Rechts vom Erbenwartrecht ins Leben zurück 28), sondern may
wird auch demjenigen Gedanken gerecht, welchem die neueren
Gesetzgebungen dadurch Ausdruck geben, daß sie den Anwärtern
ein Obereigenthum oder ein Miteigenthum am Gute neben
dem Besitzer des Fideikommisses zuschreiben* 9). Mehrere
Punkte aber sind dabei besonders zu betrachten:
a) Anwärter sind diejenigen, welche durch die für das
Fideikommiß geltende Successionsordnung zur eventuellen Nach-
folge in dasselbe unverrückbar berufen sind. Schon diese Rechts-

27) So, namentlich auch gegen Jhering (a. a. O. S. 443, 505 ff.,
523) Pfaff und Hofmann, Exkurse II S. 221 f.
28) Heusler, Institutionen II S. 59: „Das Wartrecht des Erben
ist ein durch fremde Berechtigung noch zurückgehaltenes Eigenthum rc."
Vergl. dazu auch oben § 2 bei Note 7.
29) Oesterr. bürgerl. G.B. 8 629 (s. oben Note 22). — Bayr. Fid.-
Edikt von 1818 ß 42: „Das Eigenthum des Fideikommißvermögens steht
nicht dem jedesmaligen Besitzer desselben allein, sondern auch den übrigen
zur Nachfolge Berechtigten (Anwärtern) zu." 8 43: „Vermöge des Mit-
eigenthums sind die Anwärter berechtigt re." — Großh. hessisches Gesetz,
die Familienfideikommisse betr., vom 13. September 1858, Art. 15: „Das
Eigenthum am Fideikommißvermögen steht dem jedesmaligen Besitzer des-
selben und den übrigen zur Nachfolge in solches Berechtigten (Anwärtern)
gemeinschaftlich zu."

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