Full text: Volume (Bd. 32 = N.F. 20 (1893))

Revokatorische Klage bei Familienfideikommissen.

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lediglich zeitlich (ad dies vitae) beschränkten Eigenthums des
Fideikommißbesitzers dessen Rechtsstellung nicht erschöpfen,
sondern verzeichnen würde. Man darf das Fideikommiß nicht
in eine bloße Reihe successiver Eigenthumsverhältnisse auflösen,
welche sich, soweit ihre subjektive Lebensdauer reicht, frei ent-
falten können und nur darin ihre Schranke finden, daß jedes
folgende Eigenthum, vom Momente seines Entstehens an, in
seiner zeitlichen Sphäre auf dieselbe Unbeschränktheit An-
spruch hat2 4) — etwa wie wenn der Anlieger eines Privat-
flusses denselben beliebig ableiten kann und nur, bevor der
Fluß seine Grenzen verläßt, chm das abgeleitete Wasser wieder
zuführen muß"). Vielmehr ist die zeitliche Beschränktheit des
Fideikommißeigenthums nur der theilweise Ausdruck eines all-
gemeineren, durch den Zweck des Gutes gegebenen Prinzips
und daher mit einer inhaltlichen Beschränktheit nothwendig ver-
bunden 2°): ihr zufolge findet das Recht jedes Besitzers in
der Widmung des Gutes für die Familie sowohl seinen Grund,
wie seine Grenze. Er ist als Glied dieser thatsächlichen Per-
soneneinheit zum Eigenthum am Gute berufen; aber dieses
Eigenthum ist für ihn kein pflichtenloses, vielmehr jederzeit
beschränkt durch die gleichzeitig übernommene Pflicht, das Ver-
mögen, unbeschadet des eigenen Genusses, getreulich seinem
Zwecke, dem Kreise der bedachten Familie und in erster Reihe
dem unmittelbaren Nachfolger zu wahren.
24) DaS ist im Wesentlichen wohl die Auffassung von Jhering,
Passive Wirkungen der Rechte, in den Jahrbüchern für die Dogmatik des
heutigen römischen und deutschen Privatrechts Bd. 10 S. 823. — Im
übrigen wird sich aus den späteren Ausführungen über das Revokations-
recht der Anwärter ergeben, daß thatsächlich, wenn auch ohne sich darüber
genaue Rechenschaft zu geben, die ganze moderne Theorie, soweit sie LewiS
folgt, auf diesem Standpunkte steht.
25) Entsch. Reichsger. in Civ.-Sachen Bd. 8. S. 139.
26) Bergl. besonders Pfaff und Hof mann, Kommentar n S.
320 mit 242.
24*

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