Full text: Volume (Bd. 32 = N.F. 20 (1893))

348

Heinrich Rosin,

signation walten zu lassen und auf eine wissenschaftliche Ver-
jüngung des Fideikommißrechts in einem nationalen und dem
Zweckgedanken des Instituts entsprechenden Sinne zu ver-
zichten. Für den Germanisten um so weniger, als ja gerade
die gegenwärtigen Vertreter des romanistischen Theils unseres
heutigen Rechtsstoffes in weiser Beschränkung und in ver-
ständnißvoller Erkenntniß der vorhandenen Wesensverschieden-
heiten das „deutschrechtliche Familienfideikommiß" von ihrem
Arbeitsfelde ausscheiden*), ja sogar neuestens, noch weiter-
gehend, zu einem vom „reinen" römischen Rechte unabhängigen
Aufbau des modernen Instituts selbst hülfreiche Hand leisten 4 5 6).
Haben die Juristen des 17. Jahrhunderts die Familiengüter
des niederen Adels nur um den Preis ihrer Romanisirung
in das Rechtssystem ausgenommenB), so bleibt demgegenüber
doch auch der Gegenwart ihr Recht Vorbehalten. Nur inso-
weit muß sie sich beschränken, als ihr die jahrhundertelange
Thätigkeit der juristischen Baumeister im Sinne wirklichen
Gewohnheitsrechtes7) eine festgefügte und mit dem Gebäude
4) Bgl. Dernburg, Pandekten Hl § 114: „Dasselbe (das römische
Familienfideikommiß) weicht weit ab von dem deutschrechtlichen Familien-
fideikommisse, mit dem e8 nicht viel mehr als den Namen, gemeinsam hat."
Auch Windscheid 8 637 u. A. m.
ö) Vergl. besonders die nachfolgenden Bezugnahmen auf Bekker's
System des heutigen Pandektenrechts.
6) Gierke, Die Stellung des künftigen bürgerlichen Gesetzbuches
zum Erbrecht in ländlichen Grundbesitz, in Schmoller's Jahrbuch für
Gesetzgebung, Verwaltung und Volkswirthschaft im deutschen Reiche, Bd. 13
S. 436: „Das Familienfideikommiß ist das historische Produkt der Unter-
werfung des niederen Adels unter das gemeine Civilrecht! Es ist nach
der Rezeption des römischen Rechts durch die romanistische Doktrin und
Praxis als gemeinrechtliches Institut ausgebildet worden, um in einer die
Herrschaft deS römischen Rechts ausdrückenden neuen Form die Erhaltung
und Fortbildung gewisser einheimischer, insbesondere im niederen Adel
lebendiger Rechtsgedanken zu ermöglichen". Bergl. oben § 3 a. E.
7) Ueber die Verbindlichkeit des Juristenrechts, soweit es zum Ge-

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer