Full text: Volume (Bd. 32 = N.F. 20 (1893))

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Heinrich Rosin,

und Güterverhältnisse das Recht der statutarischen Selbst-
gesetzgebung (Autonomie) zustand. Dieses Ergebniß ist schon
vor der Rezeption des römischen Rechts in seinen Grundlagen
gesichert12), und daher von einem Einfluß des fremden Rechts,
das die Familie als juristische Einheit nicht kannte, im Wesent-
lichen wenigstens in der Praxis unberührt geblieben. Der Fa-
milie als Einheit steht das Eigenthum an dem hochadligen
Hausgute zu, während den einzelnen Gliedern als solchen nur
einzelne Befugnisse zur Ausübung und zum Genüsse über-
wiesen sind.
Im Gegensatz dazu konnten die im niederen Adel, wenn
auch schon in den früheren Jahrhunderten vorfindlichen'3), na-
mentlich aber seit dem 30-jährigen Kriege sich häufenden
„Stammgutsstiftungen" ihren rechtlichen Bestand gegenüber
dem rezipirten römischen Recht nur dadurch sichern, daß sie
sich einer seiner Kategorien unterstellten. Und hier wurde von
den römisch-rechtlich geschulten Juristen, nach dem Vorgänge
von Spaniern und Italienern 14), das römisch-rechtliche fidei-
und Gierte in Grünhut's Zeitschrift V S. 540— 599 gegen O.
Mejer ebenda S. 229—269 vertheidigt worden ist. Denselben Stand-
punkt theilen Schulze (vergl. zuletzt: Das deutsche Fürstenrecht, in
v. Holtzendorff's Encyklopädie S. 1262) und Heffter, Die Sonder-
rechte der souveränen und der mediatistrten, vormals reichsständischen Häuser
Deutschlands § 40, ebenso auch Lewis Artikel „Adel" in v. Holtzen-
dorff's Rechtslexikon I S. 43, sowie „Recht des Familienfideikommisses"
S. 35, 4i, 93, 107. Dagegen neuerdings wieder Heusler, Institu-
tionen s,S. 261.
12) Vergl. Gierke bei Grünhut S. 566 Note 12, S. 580, 584;
Schulze in v. Holtzendorff's Encyklopädie S. 1362.
13) Gierke im Handwörterbuch der Staatswissenschaften S. 415;
Stobbe II S. 550 ff. — Ueber Aelfred 41 und das angelsächsische
Fideikommiß des 8. Jahrhunderts Brunner, Zur Rechtsgeschichte der
römischen und germanischen Urkunde S. 190—193.
14) Für die folgende Abhandlung besonders wichtig und benutzt:
F us ariu s, Tractatus de substitutionibus, 2. Theil: De fideicommissaria

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