Full text: Volume (Bd. 32 = N.F. 20 (1893))

Revocatorische Klage bei Familienfideikommiffen. ZZ9
erbung bilden sie die Rechtsformen, in denen die wesentliche
Bedeutung des Grundeigenthums für die wirthschaftliche und so-
ciale Stellung der Familie und für deren öffentliche Befugnisse
und Pflichten ihren Ausdruck findet 4 5). Nicht dem Einzelnen,
sondern der Haushaltung wurde schon bei der ursprünglichen
Ansiedelung die Hufe juetttjeilt48), und sie erscheint so als ein
dem ganzen Hause gewidmetes Eigentum, über welches dem
Familienoberhaupte, dem uneingeschränkten Herrn im Innern,
doch nach außen hin eine ungebundene Verfügung nicht zu-
steht *).
Immerhin erhält von dieser gemeinsamen Wurzel aus
das Recht der Erben am Grundeigenthum in der deutschen
Rechtsgeschichte eine doppelte Gestaltung, indem es sich einer-
seits in die Form gemeinschaftlicher Verfügung seitens der
Hausgenossen, andererseits aber in die eines selbständigen
und individualisirten Einspruchsrechtes des nächsten Erben
überhaupt kleidete. Die dem süddeutschen Recht angehörige
erste Form dürfte nach dem Gesagten wohl als die ältere, die
bei den Sachsen (Ostfalen) immerhin frühzeitig durchgedrungene
zweite als die im allgemeinen Gang der Entwicklung spätere
anzusehen sein.
Bei den meisten, namentlich süddeutschen Stämmen, den

4) Hierzu die Bemerkung Gierke'S Art. „Fideikommisse" in
Conrad's Handwörterbuch der StaatSwisseusch. Hl S. 414 Spalte i
oben.
4») Heusler, Institutionen I S. 227.
5) Damit ist, im Anschluß an HeuSler S. 287, die Bereinigung
angedeutet, welche die scheinbar einander entgegenstehenden Gedanken einer
Hausherrlichkeit des Vaters und eines Mitrechts der Söhne am Haus-
vermögen zu finden haben. Vergl. dazu G i e r k e, Erbrecht und Vizinen-
recht im Edikt ChilperichS, Zeitschr. für RechtSgeschichte XU S. 478 f.
gegenüber v. Amira, Erbenfolge und BerwandtschastSgliederung nach
altniederdeutschen Rechten, besonders S. 57 f., 211 ff.

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