Full text: Volume (Bd. 32 = N.F. 20 (1893))

Ähering.

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Rechtsleben zum Vorschein zu bringen sucht. Man hat mit
Recht der Phantasie I Hering's einen großen Antheil an
dieser rekonstruirenden Arbeit beigemessen (Landsberg), ohne
sie ist dergleichen ja ausgeschlossen. Aber es ist die Phantasie
des Intellekts (eine gesteigerte Funktion seiner intuitiven Ver-
mögen), mit der wir es hier zu thun haben, und das Material,
mit dem sie arbeitet, ist im Wege einer ausgedehnten Detail-
forschung gewonnen. Was immer im Einzelnen hier anfecht-
bar oder durch spätere Forschungen als unhaltbar erwiesen
sein mag, die Gesammtleistung bleibt ein Dokument von im-
ponirender wissenschaftlicher Kraft. Der „Geist" überhaupt
wird m. E. in der Geschichte der Wissenschaften einen rühm-
lichen Platz neben dem Geiste der Gesetze Montesquieu'S
behaupten.
Eine bleibende Bedeutung hat, wie ich glaube, vor allem
die Darstellung der Verselbständigung des römischen Rechts
im Verhältniß zu den anderen Kulturelementen, d. i. einerseits
der eigenthümlicken Formen, in welchen es sich von diesen
scheidet, sein Sonderdasein entfaltet und bethätigt, und der
Arbeitsmethoden der römischen Jurisprudenz, und andererseits
der ethischen und intellektuellen Eigenschaften,
welche sich hierbei als wirksam erweisen nnd die Prädestination des
römischen Volks für das Recht begründen. Jhering hat Recht
mit der Annahme, daß das erstaunliche Werk der römischen Juris-
prudenz durch den bloßen Hinweis aus die logische Virtuosität
der Juristen nicht erklärt sei, daß neben und vor dieser die
eminente praktische Richtung und Veranlagung des römischen
Geistes und gewisse Charaktereigenschaften als Bedingungen
des Werks in Betracht kommen. Trefflich finde ich u. A.,
was er hier über den disziplinirten Egoismus der Römer
und über den Macht- und Freiheitstrieb derselben und die
Bedeutung dieser Momente für die Verselbständigung deS

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