Full text: Jherings Jahrbücher für die Dogmatik des bürgerlichen Rechts (Bd. 32 = N.F. 20 (1893))

148

Dr. Otto Wendt,

(si ex cautione coeperis conveniri) der Kläger deswegen
nur die Stipulation selbst zu beweisen gehabt habe.
Man kann nun für die Abfassung der Formel vollkommen
die abstrakte Natur der condictio certae pecuniae zugeben
(si paret Numerium Negidium centum dare oportere) —
und hat doch damit über die Verhandlung in judicio und die
Vertheilung der Beweislaft nichts eingeräumt. Sobald der
Beklagte die Auszahlung des Darlehns leugnet und deswegen
für die Formel die Aufnahme der exceptio doli erreicht, wird
damit für den Kläger die Nothwendigkeit begründet, vor dem
judex seine Klage zu individualisiren und auch die nöthigen
Beweise zu führen, getreu nach den auch von Pernice in
derselben Weise gedeuteten Worten Caracalla's (c. 3. 4, 30):
exceptione opposita compelletur petitor probare u. s. w.
Der Beklagte kann durch Vorschützung der exceptio durchsetzen,
daß der Kläger zum Beweise genöthigt wird.
Selbst Baron (Kondiktionen, S. 11), dessen eigentliche
These doch die abstrakte Natur der condictio bildet, nimmt
das nur für die Formel in Anspruch, und in judicio müsse
„selbstverständlich" die condictio wie jede andere Klage be-
gründet werden. Diese erforderliche Begründung wird aber
mit dem Nachweis lediglich der Stipulation noch nicht aus-
reichend erbracht. Denn nicht um die civilis causa debendi
handelt es sich bei der Individualisimng der Klage, und der
Anspruch bliebe noch abstrakt, wenn bloß der Stipulations-
vorgang behauptet und erwiesen würde. Darum wird trotz
abstrakter Kondiktionsformel oft auch die materielle Natur der
Obligation schon in der Bezeichnung der Klage zum Ausdruck
gebracht, und die actio certae creditae pecuniae drückt
dann aus, daß es sich um Rückforderung eines Darlehns
handelt. Zwar wissen wir, daß in einem allgemeineren Sprach-
gebrauch auch die abstrakte Klage aus dare oportere mit

Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer