Full text: Volume (Bd. 32 = N.F. 20 (1893))

Jhering.

13

ließ, so tritt uns darin eine Ueberschätzung des logischen
Elements oder ein Außerachtlassen jener Grenzen nicht ent-
gegen. Im Bereiche dieser Arbeiten läßt sich, im Unterschied
von dem der allgemeineren Ansichten, ein Gegensatz zwischen
Jugend und Alter bei Jhering nicht erkennen. Von Anfang
erfreut in ihnen eine lebendige Anschauung von den Lebens-
verhältnissen, von den Bedürfnissen des Verkehrs, und der
Art, wie die Rechtssätze aus ihn einwirken. Auch dort, wo
seine Untersuchungen nicht unmittelbar praktischen Tendenzen
dienen, wie etwa in der Abhandlung über die Reflexwirkungen
der Rechte und in derjenigen über die passiven Wirkungen der
Rechte, findet sich nichts von bloßer Begriffsklitterei. Dort
handelt es sich ihm darum, eine Gruppe von Erscheinungen
deS Rechtslebens, die bisher, obgleich interessant genug, der
Beachtung entgangen waren, in ihren praktischen Beziehungen
klarzulegen, sie unter einheitlichen Gesichtspunkten zusammen-
zusassen und an ihnen zugleich die Endpunkte des civilrecht-
lichen Schutzes der Privatrechtsinteressen (nicht etwa die „be-
grifflich nothwendigen", sondern die faktischen, und bezw. zweck-
entsprechenden) aufzuzeigen; hier um Zusammenstellung einer
Reihe verwandter, aber im bisherigen juristischen Denken weit
auseinanderliegender Erscheinungen und um Zurückführung
ihrer Eigenthümlichkeiten auf gemeinsame und einfache Merkmale
(den Zustand fortdauernder rechtlicher Gebundenheit von Per-
sonen und Sachen bei vorübergehendem Mangel eines berech-
tigten Subjektes). Im Uebrigen geht, soweit ich sehe, die
Bearbeitung der Begriffe in den dogmatischen Arbeiten
Jhering's nirgend über die Grenzen hinaus, welche ein er-
kennbares praktisches Interesse an die Hand giebt. Ja, das
Zweckmoment macht sich auch in älteren Arbeiten, (wie z. B.
derjenigen über die Beschränkungen des GrundeigenthumS) in
einer Weise als Direktive geltend, welche dem von Jhering

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer