Full text: Jherings Jahrbücher für die Dogmatik des bürgerlichen Rechts (Bd. 32 = N.F. 20 (1893))

In Sachen des Real-VerbalkontrakteS.

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derselbe Caracalla das Reskript erlaffen hat, welches in o. 3
4, 30 den Kläger damit belastet, so kann die Erklärung keines-
wegs darin liegen, daß es an festen Regeln über die Beweis-
last im Kognitionsprozeß gefehlt und richterliches Ermessen
freie Hand gehabt habe. Denn dazu bietet keine von beiden
Stellen eine Handhabe; vielmehr geht jede von fest geregelter
Beweispflicht aus. Der wahre Grund ist vielmehr der, daß einer
auf angebliches Darlehn gestützten Klage gegenüber die Ber-
theidigung sowohl darin bestehen kann, es liege kein Darlehn,
sondern eine andere (und zwar ungültige) causa promittendi
vor, als darin, daß das behauptete Darlehn nicht zur Aus-
zahlung gekommen ist. So reskribirt Kaiser Alexander (e. 5.
4, 30): iZnorare von debes non numeratae pecuniae ex-
ceptionem ibi locum habere, ubi quasi credita pecunia
petitur. Hieran ist aber wichtig, daß die genannte exceptio
nur dort ihre Stelle findet, wo auf Rückzahlung eines Dar-
lehns geklagt wird.
Und nun geht meine Behauptung auch heute noch dahin,
daß die Stipulation nichts an dem materiellen Wesen der
Darlehnsschuld zu ändern vermocht habe. Zwar ward durch
die Stipulation als solche, ganz wie Gajus bezeugt, Obligation
erzeugt und condictio certae pecuniae zuständig gemacht;
allein die exceptio doli bewirkte doch, daß der Kläger in
keine günstigere Lage auch prozessualisch gelangte, als wenn er
ohne Stipulation aus dem Darlehn geklagt hätte: sie nöthigte
ihn zum Beweise der wirklichen Gewährung des Darlehns.
Wir kennen keine Stelle (von Fr. 2 § 1. 44, 4 soll sofort
die Rede sein), wo dem Kläger diese Beweislast abgenommen
wäre; vielmehr umgekehrt das gesammte Material, welches
wir haben, belegt die Beweislast des Klägers. Der einzige
Gegengrund ist die abstrakt verpflichtende Natur der Stipu-
lation und die Meinung, daß bei der Klage aus der Stipulation
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