Full text: Volume (Bd. 32 = N.F. 20 (1893))

In Sachen des Real-Verbalkontraktes.

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der exceptio doli die Aufgabe zu, den Beklagten vor unbilliger
Verurtheilung zu schützen. Laepe enim accidit, ut quis jure
civili teneatur, sed iniquum sit eum judicio condemnari.
Als erstes und oberstes Beispiel dafür benutzt Gajus die von
uns erörterte Darlehnsstipulation: veluti si stipulatus sim
a te pecuniam tamquam credendi causa numeraturus nec
numeraverim. Daß in diesem Falle die Verurtheilung sich
als unbillig erweisen würde, wird von Gajus einfach voraus-
gesetzt und nicht weiter gerechtfertigt; er begnügt sich mit dem
Satze: quia iniquum est te eo nomine condemnari, placet
per exceptionem doli mali te defendi debere. Zu der
parallel gehenden Erörterung Ulpians (Fr. 2 § 3 de doli exc,
44, 4) heißt es verallgemeinert: si quis sine causa ab ali-
quo fuerit stipulatus, deinde ex ea stipulatione experiatur,
exceptio utique doli mali ei nocebit. Und hier wird jene
Unbilligkeit der Verurtheilung auch sofort zum dolus des
Klägers in Beziehung gesetzt und damit die exceptio doli ge-
rechtfertigt: licet enim eo tempore, quo stipulabatur, nihil
dolo malo admiserit, tamen dicendum est eum, cum litem
contestatur, dolo facere, qui perseveret ex ea stipulatione
petere. Pernice (S. 270 Note 3 u. 4) beanstandet meine
früheren Worte, daß dem Kläger dolus malus „vorgeworfen"
werde in solcher Rechtslage. Das geschehe nicht, sondern es
werde ein einfaches Gebot der Billigkeit zur Geltung gebracht.
Ich muß widersprechen und bei meinen Worten bleiben. Die
Unbilligkeit der Verurtheilung gestaltet sich doch zu einem Vor-
wurf für den Kläger und sein Verhalten. Das spricht ja
Ulpian ganz deutlich aus, und nur dadurch kann auch die exc.
doli überhaupt begründet werden. Ulpian beginnt seine Aus-
einandersetzung (Fr. 2 § 1) mit dem Satze, daß es zunächst
darauf ankomme, festzustellen: de cujus dolo quis queratur.
Die exceptio sei nicht in rem konzipirt (si in ea re nihil

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