Volltext: Band (Bd. 32 = N.F. 20 (1893))

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Adolf Merkel,

charakterisirt, der giebt damit den Schlüssel für jenes. Jhering's
literarische Arbeiten sind die fortschreitende Entfaltung seines
Wesens auf theoretischem Gebiete.
Seine Persönlichkeit war so eigenartig und zugleich
so lebensvoll und energisch wirkend, daß er in jedem Kreise, in
welchen er eintrat, alsbald auf dessen Stimmungen und Ge-
danken einen erkennbaren Einfluß ausübte und sich zu einem
Mittelpunkte sympathischer, nach Umständen auch einander
widerstreitender Empfindungen erhob. Seltene Wärme deS
Wesens, Geselligkeit, redlicher Wahrheitssinn, neidlose Aner-
kennung fremden Verdienstes und die Fähigkeit lebhafter An-
theilnahme an fremdem Geschick, vor allem am Wohl und
Wehe seiner Freunde, warben ihm Zuneigung; Unterhaltungs-
gabe, reicher Humor, unverwüstliche Frische und ein Talent
zur Initiative in hunderterlei Angelegenheiten fesselten das In-
teresse, während sein impulsiver Charakter, der unbefangene
Ausdruck seines Selbst- und Werthgesühls, seine Reizbarkeit
dem Widerspruch gegenüber und die rückhaltlose Geltend-
machung seiner Ueberzeugungen ihm manche Gegnerschaft ein-
trugen. Dem Beobachter fiel die Verbindung von LebenS-
klugheit mit einer gewissen Naivetät in der Aeußerung seiner
Empfindungen, sowie diejenige eines nüchternen Urtheils über
Menschen und Dinge und einer Richtung seines Geistes auf
das Praktische und Praktikable mit einer lebhaften Phantasie
und großer Begeisterungsfähigkeit auf. I he ring war eine
weltfreudige Natur, wie sie unter hervorragenden Gelehrten
sich nicht häufig finden dürfte. Ihm schloß das Leben, ob-
gleich er als Sanguiniker den Wechsel zwischen himmelhohem
Jauchzen und tiefer Niedergeschlagenheit auch und reichlich zu
erfahren hatte, doch weitaus mehr Lust als Unlust in sich.
Jene floß ihm aus hundert Quellen zu, und er würde sich nie-
mals an ihnen übersättigt haben. Im Uebrigen ein durchaus

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