Full text: Volume (Bd. 68 = 2.F. 32 (1919))

Schuld und Haftung im gellenden Rechte.

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aus dem Erlöse zahlen soll, daß mit anderen Worten der
.Gläubiger? sich die bestimmte Geldsumme selbst verschaffen
darf durch Vermittlung des Vollstreckungsgerichts?'
Die gesetzliche Bestimmung, welche davon spricht, daß
ein Grundstück so belastet werden kann, daß an den Be-
rechtigten eine besttmmte Geldsumme aus dem Grundstücke
zu zahlen ist, soll also genau so viel sagen, wie daß der
Gläubiger zur Erlangung dieser Summe Realexekution
führen darf. Es ist ja natürlich Geschmackssache, ob man
sich mit einer solchen Erklärung zufriedengeben und abfinden
lassen will oder nicht. Mir persönlich erscheint es fast un-
begreiflich, daß irgend jemand so anspruchslos sein und sich
mit dieser „Erklärung" zufriedengeben mag; nur sehr schwere
Not, nur die Erkenntnis, daß man gar keine bessere Deutung
findet, mag ein so verzweifeltes Auskunftsmittel auch noch
willkommen erscheinen lassen. Denn das, möchte ich meinen,
müßte doch jeder empfinden, daß das Zahlen einer Geld-
summe aus dem Grundstück, von dem das Gesetz spricht,
und das „Nehmen der Geldsumme aus dem Erlöse des
Grundstückes im Wege der Zwangsvollstreckung", das seine
Interpreten dafür einsetzen, durchaus nicht dasselbe ist und
sein kann, sondern daß beide sich verhalten etwa wie auch
sonst Geldzahlung und Geldeinbringung im Wege der
Zwangsvollstreckung, oder etwa wie Schuldenzahlung und
Befriedigung durch die Exekution.
Wie so oft, scheint mir auch hier eine nüchterne, ein-
fache, sachliche Betrachtung die Jurisprudenz von allem
Unnatürlichen und Mystischen zu befreien, mit dem sie in
Zeiten der erst dämmernden Erkenntnis so oft umgeben war,
die durch Zahlung (eventuell Hinterlegung, Aufrechnung) neben
der durch Zwangsvollstreckung voraussieht. Damit verliert diese
Argumentation aus diesem Paragraphen jeden Halt.
LXVIII. 2. F. XXXII.

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