Full text: Volume (Bd. 68 = 2.F. 32 (1919))

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v. Schwind,

Auf eine zweite solche gleichfalls zu wenig beachtete
Reihe von Abstufungen im Schuldrechte ist noch unten des
näheren einzugehen *).
Hier wäre aber noch hinzuweisen auf eine Teilung der
Schulden nach ihrer Intensität, die in der neueren Literatur
hervorgehoben und darin mit solcher Bedeutung ausgestattet
wird, daß den Fällen über diesem Teilungsstrich ein beson-
derer Name gegeben wird. Schulden solcher stärkeren In-
tensität werden als Schuldpflicht bezeichnet, für das
germanistisch geschulte Ohr eine nicht ganz angenehme Be-
zeichnung.
Der germanistischen Literatur ist dieser Begriff und
Ausdruck nicht entnommen. Das deutsche BGB. kennt ihn
gleichfalls nicht, gebraucht aber für einen gleichen oder ähn-
lichen Begriff wiederholt das Wort „Verbindlichkeit" 1 2 3 *). Da-
gegen findet sich auch das Wort „Schuldpflicht"8) schon im
schweizerischen Entwurf des Obligationenrechts von 1905,
Art. 1088, 1089 und 1123, sowie im jetzt gültigen Schweizer
Obligationenrecht Art. 72, 73, 101.
Der Sinn, der nun dem Worte zu geben ist bzw. von
der Theorie gegeben wird, ist nicht immer der gleiche. Im
Schweizer Entwurf und Gesetze geht der Ausdruck Schuld-
pflicht an den genannten Stellen parallel den Wendungen,
die davon sprechen, der Schuldner sei verpflichtet, z. B. Art. 68,
er denkt dabei zweifellos an die normalen Fälle, in denen
die Schuld in germanistischem Sinne von einer Haftung
begleitet ist, wohl vor allem an Fälle mit persönlicher
Haftung.
1) Vgl. unten Abschnitt VI S. 66 ff.
2) Strohal, Schuldpflicht und Haftung S. 13 u. 31 n. a.
3) Vgl. Strohal, Schuldübernahme S. 60 (290) Anm. 89;
S. 290 (60).

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