Full text: Volume (Bd. 68 = 2.F. 32 (1919))

Das bürgerliche Gesetzbuch für Ungarn. 381
feines Lebens gewohnt war; andererseits soll jedoch der
Stamm seines Vermögens nicht auf dem Umwege über die
Frau an die Schwägerschaft geraten. Jedes Gesetz,
welches das Erbrecht der Witwe nicht in einer Nutz-
nießung, sondern in einer Kapitalsquote bestimmt, krankt
an diesem letzteren Fehler. Freilich ist die Erbschaft häufig
so klein, daß die Witwe aus dem Ertrag kein Auskommen
findet. Dies wird jedoch durch den Miterwerbsanspruch
und dadurch ausgewogen, daß in Ermangelung von Nach-
kommen alles, was nicht Rückfallsgut ist, dem überlebenden
Ehegatten allein zufällt.
Was nun die Erbfolge der aufsteigenden Parentelen
anbelangt, so war im ursprünglichen Redaktionsentwurf eine
weitgehende Einschränkung derselben vorgesehen: die Erbfolge
sollte mit der großelterlichen Parentel abschließen. Auf
äußeren Druck erweiterte man jedoch den Kreis der Erben
immer mehr: der Kommissionstext läßt noch die dritte auf-
steigende Parentel voll, und von der vierten und fünften
wenigstens die Voreltern selber zur Erbfolge zu. Ich kann
in diesen Erweiterungen des Erbrechts der Aszendenten nur
eine Verderbnis des ursprünglichen Entwurfes erblicken.
Die Beschränkung bis auf die Parentel der Großeltern ist
auf dem Boden unseres Entwurfes direkt ein Postulat
logischer Folgerichtigkeit. Das Rückfallsrecht wird nämlich
im Entwurf aus technischen Gründen (Schwierigkeit des
Beweises der Vermögensherkunft) auf die elterliche und groß-
elterliche Verwandtschaft beschränkt. Schon aus diesem
Grunde wird daher die viel weniger begründete Parentelen-
erbfolge, im Sinne des ursprünglichen Redaktorenantrages,
auf diesen Kreis beschränkt werden müssen. Der Unterhalt
der entfernteren Voreltern ist durch die Vererblichkeit der
Unterhaltspflicht ohnehin gesichert; einer Sorge für die ent-
LXVIII. 2. F. XXXII.

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