Full text: Volume (Bd. 68 = 2.F. 32 (1919))

354 Gustav von Szäszy-Schwarz,
durch nachfolgende Ehe oder königliche Gnade nicht möglich
oder nicht erwünscht ist und der Vater dennoch nach Mög-
lichkeit die Stellung des unehelichen Kindes verbessern will;
in solchen Fällen soll diese Anerkennung aushelfen, durch
welche gleichsam eine Mittelgattung zwischen gesetzlichen und
ungesetzlichen Kindern geschaffen wird. Die sozial wichtigste
Wirkung ist die Namensfolge. Wenn das Kind in die
Schule eingeschrieben wird, wenn es ein Dienstbotenbuch
lösen soll, wenn es in die Beamtenkarriere eintritt usw., muß
es einen „Vater" und einen „Namen" haben, Kinder, die
nur eine Mutter und einen Mutternamen haben, gehören
auch heute nach der Volksauffaffung zu der außergesell-
schaftlichen Klaffe der „Bastarde", die wir aus den Shake-
speareschen Dramen kennen. Zu diesem Rechte auf den
Namen tritt aber auch das Recht auf denselben Unterhalts-
anspruch (obgleich dieser nicht in Natur, sondern in Geld
zu leisten ist), den das eheliche Kind hat, also auch über
die Zeit der Minderjährigkeit hinaus. Falls die Bestellung
eines Vormundes nötig ist, ist in erster Linie der Vater
der gesetzliche Vormund. Das anerkannte Kind hat ferner
— wie erwähnt — den halben Erbanspruch eines gesetzlichen
Endes. Endlich erstrecken sich diese Wirkungen der An-
erkennung auch auf die Nachkommen des Anerkannten.
Die Reichstagskommission hat in diesem Kapitel einen
Schritt zurück gemacht: sie hat das Institut der Anerkennung
des unehelichen Kindes gestrichen. Die Gründe, die man
anführte, sind die längst bekannten: man gefährde durch die
Besserstellung der unehelichen Kinder die Interessen der
Ehe und der legitimen Familie; wer das Los seiner unehe-
lichen Kinder verbessern wolle, möge sie legitimieren oder
adoptieren. Diese Gründe schlagen nicht durch. Legitimation
und Adoption ist manchmal nicht möglich, weil die gesetz-

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