Full text: Volume (Bd. 68 = 2.F. 32 (1919))

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v. Schwind,

acht läßt, daß die verhaftete Sache herrenlos wird *), so
wird nicht zu bestreiten sein, daß beide Formulierungen
wirtschaftlich und rechtlich dasselbe zum Ausdrucke bringen1 2);
ja mir möchte scheinen, daß die objektive Fassung: „es haftet
die Sache" und die subjektive Form: „es haftet jeder Eigen-
tümer mit der Sache" nur verschiedene Denkformen für die-
selbe juristische Erscheinung firtb3). Drückt die erste For-
1) S. unten S. 97 ff. — Daß ein Grundstück herrenlos wird,
hat nach § 928, 1 zur Voraussetzung, daß der Eigentümer den
Verzicht dem Grundbuchamte gegenüber erklärt und der Verzicht
im Grundbuche eingetragen wird. Es genügt also nicht das tat-
sächliche Aufgeben der Herrschaft an dem für den Eigentümer
vielleicht wertlos gewordenen Gute. Kann Man sich ein solches
rein tatsächliches Preisgeben eines Grundstückes im Sinne der
römischen äereliotio noch als einen Vorgang denken, der vielleicht
ab und zu sich im Leben wirklich abspielt, so muß man ganz
besondere Umstände annehmen (wie z. B. § 1108), wenn unter
den wenigen Fällen dieser Art sich ja einmal einer ereignen soll,
in dem der Eigentümer, für den das Grundstück wertlos geworden,
sich veranlaßt sehen soll, noch überdies zum Grundbuchamte zu
gehen und dort seinen Verzicht zu erklären. Wertlosigkeit des
Gutes für den Eigentümer, Gründe, die den Gang ins Grund-
buchamt und die dort abzugebende Verzichterklärung wünschens-
wert erscheinen lassen, und Belastung gerade dieses Grundstückes
mit einer Grundschuld, die in dem Gutswert noch Deckung findet,
müssen also Zusammentreffen, will man annehmen, daß der an-
genommene Fall im Leben eintritt. Wie oft wird das geschehen?
Hat es sich unter den Tausenden von Eintragungen, die unter
der Herrschaft des BGB. vollzogen wurden, überhaupt schon er-
eignet ?
2) Diese Auffassung dürfte trotz des von Amira (Nordgerm.
OblR. I 191) für das altschwedische Recht stark betonten Gegen-
satzes für das moderne Recht aufrecht zu halten sein; vgl. auch
oben S. 26 Anm. 1.
3) Vgl. zu dieser Antithese die verschiedenen Formen, welche
die Haftung des Grundstückes für die Grundschulden des deut-
schen BGB. im Gesetzestexte und in der Literatur einerseits, und
für die Gült im Schweizer ZGB. gefunden hat: Deutsches BGB.
§ 1191: . . . daß eine bestimmte Geldsumme aus dem Grund-

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