Full text: Jherings Jahrbücher für die Dogmatik des bürgerlichen Rechts (Bd. 68 = 2.F. 32 (1919))

334 Gustav von Szäszy-Schwarz,
jähen, dann muß auch ein Recht auf Ehre nach unserem
Tode anerkannt und wir selbst insofern auch nach unserem
Tode als sogenanntes Rechtssubjekt anerkannt werden. Und
nun stelle ich die Frage: wer möchte sich bei dem Ge-
danken beruhigen, daß Ruf und Ehre nach unserem Tode
freie Beute sind und daß es nur die Ehre der Ueber-
lebenden ist, auf deren Schutz wir als Reflexwirkung nach
unserem Tode rechnen dürfen? Ich glaube, eine gesunde
Rechtspolitik spricht dafür, die Hoffnung auf die Unverletz-
barkeit unserer Ehre auch nach unserem Tode wachzuhalten
— ist sie doch oft der einzige Lohn für alle idealen Kämpfe,
die einzige Genugtuung für alle Verkennung, Enttäuschung
und materiellen Schlappen in unserem Leben! Gerade weil
wir selber diese idealen Güter nach unserem Tode nicht
mehr schützen können, bedürfen wir um so dringender des
Schutzes durch das Recht. Und wenn wir, nachdem man
uns unser Leben lang eingeschärft hat, den Vorteil für die
Pflicht, das Vermögen für die Ehre, den Genuß der Gegen-
wart für die Anerkennung der Zukunft zu opfern, nichts
anderes ins Grab nehmen, als unseren ehrlichen Namen —
sollen wir da Trost finden in dem Gedanken: von jetzt ab
bist du kein Rechtssubjekt mehr, also hast du auch keine
Ehre? Ein Gesetz, das so spricht, ist meiner Empfindung
nach ein schlechtes Gesetz und es wird nicht viel besser da-
durch, daß es den Schutz meiner Ehre, den es mir selber
versagt, als Ehrenschutz meiner Erben oder meiner An-
gehörigen mittelbar mir zugute kommen läßt. Denn nicht
die Ehre der Familie, wie Liszt lehrt, und nicht das
Pietätsgefühl der überlebender! Angehörigen, wie andere
sagen, sollen geschützt werden, sondern ich selber. Und wo
bleibt der Schutz meines guten Namens, wenn mein Erbe
ein Fremder oder ein ganz fernstehender Verwandter ist

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