Full text: Volume (Bd. 68 = 2.F. 32 (1919))

Der Begriff der „Erfüllung" im heutigen Rechte usw. 301
durch einen Dritten gemäß § 267 BGB. keine Erfüllung,
sondern Erfüllungsersatz fei1 2).
IV.
Das Wesen der Erfüllung wird man, wie bereits oben
<S. 297) angedeutet, weder in ihrer gelegentlich rein tat-
sächlichen Natur noch auch in einem (nur in gewissen Fällen
schuldtilgenden) einseitigen obligationsentsprechendem Ver-
halten des Schuldners zu suchen haben, sondern vielmehr
in ihrer hauptsächlich formellen Natur.
Von vornherein muß indes betont werden, daß die hier
vorzunehmende Charakterisierung des Erfüllungsbegriffs als
eines formellen Aktes nicht darauf ausgehen kann, diejenigen
Fälle unter einen einheitlichen Gesichtspunkt zu bringen, in
denen eine Mitwirkung des Gläubigers bei der Erfüllung
nicht erforderlich ist, also die rein tatsächlichen oder in einem
Unterlassen sich erschöpfenden oder einseitig vom Schuldner
zu bewirkenden Erfüllungshandlungen. Hier liegen, auch
wenn man den Erfüllungsbegriff als formell-rechtlichen Akt
auffaßt, ebenso Ausnahmen vor, wie für die materiell-recht-
liche Seite der Erfüllung, ihre Schuldtilgungswirkung. Es
besteht aber auch — entgegen der Ansicht Kretschmars?)
— keinerlei Bedürfnis dogmatischer oder praktischer Art,
diese Fälle der Erfüllung einheitlich zusarymenzufassen. Wie
bereits mehrfach erwähnt (s. oben S. 294, 298), überwiegen
diejenigen Fälle, in denen eine Mitwirkung des Gläubigers
zur Bewirkung der Erfüllung erforderlich ist, die anders ge-
arteten Erfüllungsakte, sowohl der Zahl als auch der praktischen
Bedeutung nach bei weitem. Aber auch theoretisch ist das

1) a. a. 0. 130.
2) a. a. O. 108.

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