Full text: Jherings Jahrbücher für die Dogmatik des bürgerlichen Rechts (Bd. 68 = 2.F. 32 (1919))

Notstand gegenüber einer mitgefährdeten Sache. 223
2) Was die Frage des Schadenersatzes für eine ohnehin
verlorene Sache betrifft, so will, wie erwähnt, Oetker hier
auch hinsichtlich des geltenden Rechts den Ersatzanspruch
verneinen, obwohl § 904 dem Wortlaut nach unterschiedslos
eine Ersatzpflicht feststelle. In der Tat würde das Fest-
halten an der Ersatzpflicht zu einem ganz unbilligen Ergeb-
nis führen. Der Eigentümer des Zwischenhauses, das auch
ohne die Notstandshandlung ohne allen Zweifel verloren
war, würde voll entschädigt werden, und der Eigentümer des
geretteten Hauses hätte von der Rettung keinen Vorteil,
müßte vielmehr den ganzen Schaden tragen. Eine solche
Entscheidung ist aber auch durch den Wortlaut des § 904
gar nicht geboten. § 904 sagt nur, daß der Eigentümer
Ersatz des ihm entstandenen Schadens verlangen könne,
d. h. natürlich des ihm durch die Notstandshandlung ent-
standenen Schadens. War aber das Haus infolge des
Feuers ohnehin mit Sicherheit verloren, so ist eben durch
die Notstandshandlung gar kein Schaden entstanden,
uullam Luiuriam aut damnum äaro viäotur aa^us
perituri 8 aeäidu8, sagen schon die römischen Rechts-
quellen Z.
Fraglich könnte es erscheinen, ob auch dann dasselbe
gilt, wenn das Zwischenhaus gegen Feuer versichert war.
Wird nicht dann durch die Notstandshandlung dem Eigen-
tümer die Versicherungssumme entzogen und ihm so ein
Schaden zugefügt? Das würde der Fall sein, wenn ein
noch gar nicht gefährdetes Haus beschädigt wird und dann
nachträglich Feuer ausbricht. Dann würde die Versiche-
rungsgesellschaft allerdings den durch die Beschädigung des
Hauses entstandenen Schaden von der Versicherungssumme
1) L. 7 § 4 D. quod vi aut clam 43, 24. Vgl. dazu auch
Planck-Siber, a. a. O. 76f.

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