Full text: Volume (Bd. 68 = 2.F. 32 (1919))

Notstand gegenüber einer mitgefährdeten Sache. 219
muß deshalb als drohender Schaden der Gesamtschaden ins
Auge gefaßt werden, der ohne die Notstandshandlung ein-
treten würde. Schaden droht aber nicht nur dem Handelnden,
sondern auch dem Eigentümer der mitgefährdeten Sache. Um
auf das Beispiel des Hausbrandes zurückzukommen, der
Schaden droht dem A und dem B, denn es ist mit Wahr-
scheinlichkeit anzunehmen, daß beide Häuser vom Feuer er-
faßt werden würden, wenn anders überhaupt eine gegen-
wärtige Gefahr und damit ein Notstand für A vorliegt.
Dieser Schaden kann dadurch vermieden werden, daß das
eine Haus dem ihm doch drohenden Untergang preisgegeben
wird. Eine solche Preisgabe entspricht durchaus dem Grund-
gedanken des § 904, dem Prinzip des überwiegenden Inter-
esses. Um es kurz auszudrücken: der drohende Schaden
war gleich dem Wert von zwei Häusern, der durch die Not-
standshandlung angerichtete Schaden ist gleich dem Wert
eines Hauses; der drohende Schaden ist somit unverhältnis-
mäßig groß. Nun geht es allerdings nicht an, den § 904
immer schon dann anzuwenden, wenn der drohende Schaden
den angerichteten übersteigt. Vielmehr muß, wenn nicht nach
dem Buchstaben, so doch nach dem Sinn des § 904, nicht
nur der drohende, sondern der wirklich abzuwendende Schaden
größer sein als der angerichtete. Wenn ein Schaden von 100
droht, so darf eine fremde Sache im Wert von 50 nur zerstört
werden, wenn auch dadurch der ganze Schaden von 100 und
nicht bloß ein solcher von 50 abgewandt wird. Man könnte
demgemäß einwenden, der Schaden drohe zwar beiden Häusern,
aber er werde nur von einem, dem des A, abgewandt; da
nun der durch die Notstandshandlung angerichtete Schaden
gleich dem Wert eines Hauses sei, so entspreche der ange-
richtete dem abgewandten Schaden, und § 904 sei somit nicht
anwendbar. Aber das ist ein Trugschluß. Entscheidend ist,

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