Full text: Jherings Jahrbücher für die Dogmatik des bürgerlichen Rechts (Bd. 68 = 2.F. 32 (1919))

Schuld und Haftung im geltenden Rechte. 17
ich insbesondere die Haftungswirkungen hervorheben, welche
in der Entstehung von nachteiligen Wirkungen des Leistungs-
Verzuges sich äußern, wohl auch in der Entstehung von
Ersatzverbindlichkeiten bei Unmöglichwerden der geschuldeten
Leistung. „Daß beide Institute der Haftung angehören und
nicht der Schuld, ist wohl zweifellos"1), wie ich hinzufügen
möchte, auch nach der oben gegebenen begrifflichen Abgrenzung,
denn sie üben beide einen Druck in der Richtung der Schuld-
erfüllung. Von den prozessualen Haftungswirkungen wäre
noch insbesondere hervorzuheben, daß heute gerade so wie
im alten nordgermanischen Rechte, für welches schon Amira
seinerzeit darauf hingewiesen, nicht nur die Zwangsvoll-
streckung, welche den Ersatz für die ausgebliebene Schuld-
erfüllung herbeiführt, sondern auch alle vorbereitenden Schritte,
von der Mahnung und Klagserhebung und Exekutionsein-
leitung bis endlich zum letzten Akte der Zwangsbefriedigung,
als einzelne Abschnitte und Wirkungen der Haftung zu
gelten haben.
Weitere Verschiedenheiten ergeben sich dabei auch nach
der Art des für die Schuld eingesetzten Objektes. Ob eine
Person einsteht für die Schuld, leiblich, körperlich, mit
ihrer Freiheit, ihrem Vermögen oder Vermögensteilen, mit
ihrem Leibe oder ihrer Seele, oder ob eine Sache (im
Rechtssinne) verpfändet ist und haftet, ein Sklave, ein Haus-
tier, oder sonst ein wertvoller oder wertloser Gegenstand,
eine einzelne Sache oder Sachgemeinschaft, ein Inbegriff
von Sachen u. dgl. m.
1) Schreiber, a. a. O. 209. — Des näheren bezeichnet
Schreiber diese Haftungswirkung als Ausfluß der „Schuld-
pflicht", eines Begriffes, auf den ich unten am Ende des Ab-
schnittes V S. 58 ff. zurückkomme.
LXVIII. 2. F. XXXII.

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