Full text: Volume (Bd. 68 = 2.F. 32 (1919))

Schuld und Haftung im geltenden Rechte. 153
Gerade die genaue Auseinanderhaltung von Schuld
und Haftung in unserem Sinne gibt meines Erachtens den
Schlüssel für die Lösung der schwierigen Probleme, zu welchen
die Kasuistik des Rechts der Schuldübernahme hinführt. Auf
diese Einzelfragen will ich hier nicht weiter eingehen; nur
das möchte ich im Vorübergehen streifen, daß auch einer der
im BGB. gültigen Grundsätze über die Schuldübernahme
in der Kontinuität der Schuld seine Begründung haben
dürfte. Dieselbe erklärt nämlich meines Erachtens ganz
befriedigend, warum Formvorschriften, welche für die Be-
gründung mancher Schuldverhältnisse bestehe, für die
Uebernahme solcher Schulden nicht von nöten sind.
Handelt es sich doch um dieselbe, um die schon einmal
begründete Schuld, die jetzt nur von einer anderen Person
übernommen werden soll.
Ist in all diesen Dingen dem Standpunkt O. v. G i e r k e s
beizupflichten, so glaube ich, wird es nicht notwendig sein,
ihm auch in den Ausführungen zu folgen, welche der Be-
hauptung gelten, daß die Schuld im deutschen Rechte vergegen-
ständlicht wurde, als „Gegenstand", als „Sache" zu deuten
sei. und damit wie andere Sachen übertragen werden könne,
und daß das Uebertragungsgeschäft. die „Schuldübernahme",
deshalb als Geschäft des Sachenrechts erscheint. Man kommt
auch ohne diese Annahme ebensogut, vielleicht weit besser
aus. Und ebenso möchte ich dem Strohal-Gierkeschen
Streite, ob die Schuldübernahme ein Verpflichtungs- oder ein
Uebertragungsgeschäft sei. größere Bedeutung nicht beimessen.
Wenn Gierte selbst zugibt, daß die Schuldübernahme eine
neue Verpflichtung des Uebernehmers begründet, und wenn
Stro hal gegenüber hervorzuheben war, daß er dem Fort-
bestand der Schuld — mit geringen bzw. auch ohne Ver-
änderungen — zu geringe Beachtung geschenkt, so wird man

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