Full text: Volume (Bd. 68 = 2.F. 32 (1919))

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v. Schwind,

Wenn ich das hier gewonnene Ergebnis Zusammenhalte
mit jenen Ueberlegungen, die uns zeigten, daß mit dem Weg-
fällen der Person des Eigentümers die Schuld in der Grund-
schuld auch im Sinne des „Bekommensollens" die Möglichkeit
der Erfüllung, d. h. der Bezahlung im eigentlichen Sinne
einbüßt *), so erscheint es mir als völlig unzweifelhaft, daß der
Eigentümer es ist, an dessen Adresse sich der Befehl richtet, es
sei aus dem Grundstücke eine bestimmte Geldsumme zu zahlen.
Wie soll man nun diese Rechtslage, in der sich der Eigen-
tümer eines mit einer Grundschuld belasteten Gutes befindet,
nennen? Es erscheint mir ganz zweifellos, daß er nach dem
bestehenden rechtlichen Gebot, die Leistung dem Berechtigten
erbringen, „die Geldsumme zahlen" soll; darum muß man
ihn wohl, wie ich schon seinerzeit ausgeführt habe, als
Schuldner im Sinne der germanistischen Lehre bezeichnen.
Natürlich nicht als Schuldner im Sinne des § 241 BGB.,
der auch persönlich haften würde, sondern als Schuldner
ohne persönliche Haftung. Und man befindet sich dabei in
vollster Uebereinstimmung mit dem Schweizerischen Zivil-
gesetzbuch, das, wie oben?) erwähnt, im Art. 851 von der
Grundschuld (Gült) ausdrücklich sagt, sie habe „zum Schuld-
ner den Eigentümer des belasteten Grundstücks".
Aber nicht der Name, den wir der Sache geben oder
versagen wollen, ist mir maßgebend für die Betonung dieser
Momente; entscheidend ist mir, daß man nur auf diesem
Wege zu einer Auffassung kommt, die auch einer ruhigen,
nicht phantastischen Betrachtung des ganzen Rechtsverhält-
nisses entspricht.
und zu Falle bringen, wirkt dann die Grundschuld in ihrem Be-
stände und ihren Folgen nicht auch auf diesen?
1) Vgl. oben S. 99.
2) S. 77.

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