Full text: Volume (Bd. 68 = 2.F. 32 (1919))

Schuld und Haftung im geltenden Rechte. 97
auch v. Schwerin in seinen Ausführungen gegen Gierkes
dingliche Schuld *). „Ferner kann doch der Fall eintreten,
daß das Grundstück herrenlos wird. Wer soll nun der
dingliche Schuldner sein?"
Es möchte mir scheinen, daß man mit dieser Begründung
aus den Verhältnissen der Grundschuld am herrenlosen Gute
besonders vorsichtig sein müsse. Ich weiß nicht, ob, seit eS
Grundschulden gibt, es schon einmal praktisch geworden ist,
daß ein Grundschuldgläubiger das ihm haftende herrenlos
gewordene Gut auf dem doch immerhin nicht ganz bequemen
Wege der Bestellung eines Vertreters1 2) und der Durchführung
des Zwangsverfahrens in den Zwangsverkauf gebracht hat.
Wie oben (S. 30 Anm. 1} ausgeführt wurde, müssen
nämlich drei an sich zum Teil recht seltene Voraussetzungen
Zusammentreffen, soll der Fall einer solcher Zwangsvoll-
streckung praktisch werden: das Grundstück muß für seinen
früheren Eigentümer so völlig wertlos geworden sein, daß
er alle Rechte daran aufgibt; er muß überdies dafür be-
1) er. a. O. 17.
2) Auf die Frage will ich hier nicht eingehen, ob dieser
Vertreter nach § 58 ZPO. „niemanden vertritt, der als Schuld-
ner in Betracht kommen könnte", wie Strohal, Schuldüber-
nahme (54) 284, meint, oder „als Vertreter des möglichen
künftigen Eigentümers und jedenfalls inzwischen als Träger de-
Leistenfollens aufzufassen ist", wie Gierke a. a. O. 41 Anm. 2
ausführt, will ich aus dem Grunde nicht eingehen, weil ein solcher
Vertreter, auch wenn man der letzteren Meinung beitreten will,
wegen der Durchführung der Zwangsvollstreckung und nicht wegen
des Leistenfollens bestellt wird, und insbesondere weil seine Be-
stellung doch erst im Zuge des Zwangsverfahrens zur Geltend-
machung der Sachhaftung eben darum erfolgt, weil die schon vorher
bestehende und bis dahin gewiß reine Gläubigerschuld im
Sinne des Bekommensollens nicht erfüllt wurde, oder — wie man
sich auch ausdrücken kann — als reine Gläubigerschuld,
der wirklich keine Schuldnerschuld gegenübersteht,
nicht erfüllt werden konnte.
LXVIIL 2. F. XXXII.

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