Full text: Volume (Bd. 65 = 2.F. 29 (1915))

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Emil Pfersche,

erklärt, daß er nicht fordere, weil er seinerseits zu leisten
habe. In beiden Fällen wirkt die Aufrechnung gleich der
Zahlung, und wer eine Forderung in eigenem Interesse
durch Entgegennahme der Zahlung einziehen darf, wird sie
auch im Wege der Aufrechnung zu realisieren berechtigt
sein. Aus diesen Erwägungen hat der Senat die bestrittene
Frage der Aufrechnungsbefugnis des Pfandgläubigers be-
jahen zu sollen geglaubt."
3. Die Kritik richterlicher Entscheidungen kann sich nur
dann fruchtbar gestalten, wenn man zunächst den Fall als
solchen in seiner praktischen Entwicklung betrachtet, also
„offen und direkt das gerechte Ergebnis sucht". Bezeichnend
für unseren Fall erscheint folgendes: Erstens hat der Ge-
klagte bei der Zwangsvollstreckung auf eine Forderung des
Exekuten gegriffen, die demselben gegen einen Gläubiger
des Geklagten zustand, und hat sich diese Forderung zur
Einziehung überweisen lassen, aber schon am Tage der
Ueberweisung dem Drittschuldner die Aufrechnung erklärt,
gegen die derselbe keine Einwendung erhob. Bei dieser Sach-
lage, wo der Vollstreckungsgläubiger von vornherein die
Aufrechnung beabsichtigte, wäre es praktisch und juristisch
angemessener gewesen, gleich die Ueberweisung an Zahlungs
Statt zu begehren; und man muß es als einen Fehler des
beteiligten Anwalts bezeichnen, daß dies nicht geschah, sondern
daß nur die Ueberweisung zur Einziehung begehrt wurde,
die hier mindestens einen praktischen Umweg bedeutet und
zu juristischen Bedenken führt.
Hier sei eingeschaltet, daß dieser Anwaltsfehler nicht
vereinzelt steht, es scheint vielmehr unter den deutschen An-
wälten in weitem Umfange das Bestreben zu herrschen, die
Ueberweisung an Zahlungs Statt prinzipiell zu vermeiden,
^onst wäre es unerklärlich, daß selbst dort, wo eine Forde-

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