Full text: Volume (Bd. 65 = 2.F. 29 (1915))

Emil Strohal.

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nierende Kraft seiner Persönlichkeit schuf ihm bei den Studie-
renden eine Verehrung, welche noch über die Fakultäts-
schranken hinaus reichte.

VIII.
Strohal war eine durchaus selbstlose Natur, für seine
Person hat er vom Leben nichts erwartet und nichts ver-
langt; sein Herz war stets erfüllt von der Sorge um seine
Familie. Im Hause seines jüngeren Sohnes, des Staats-
anwalts Dr. Walter Strohal, fand er in seinen letzten
Jahren im Anblick einer heranblühenden Enkelin noch Ersatz
für das ihm so lange abhanden gekommene häusliche Glück.
Es war ein Lichtpunkt in seinem vereinsamten, nur der
Wissenschaft gewidmeten Dasein, das schöne Verhältnis zu
diesem Sohn, dem steten Begleiter seiner Spaziergänge und
Reisen, dem Teilhaber seiner Sorgen, der mit rührender
Zärtlichkeit am Vater hing, und von dem dieser selbst einmal
in einem weihevollen Moment bekannte, daß er ihm mehr
als ein Sohn, daß er ihm ein Freund geworden sei.
Jene Selbstlosigkeit, die selbstverständliche, niemals
ruhmredig betonte Hingabe an die Lebenspflicht, gehört zum
Allerschönsten an Strohals Charakterbild. Ihr entsprach die
Schlichtheit seines Wesens, die vollkommene Gleichgültigkeit
gegen äußeren Schein und alles, was darauf abzielt.
Aeußere Anerkennungen und Ehrungen hat er nicht bloß
nie gesucht, sondern ist der Gelegenheit, solche zu finden,
eher aus dem Wege gegangen, so oft sie sich bot. Daß einem
Manne solchen Ranges äußere Ehrungen trotzdem nicht
fehlen konnten, ist natürlich; sie aufzuzühlen würde nicht in
seinem Sinn sein. Auch der Uebernahme rein administra-
tiver oder repräsentativer Funktionen pflegte er sich nach
Möglichkeit zu entziehen, schon im Interesse seiner wissen-

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