Full text: Volume (Bd. 65 = 2.F. 29 (1915))

Emil Strohal.

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Gebieten berechnet, nur die Hindernisse sah er, und einen
Knoten zu durchhauen, statt ihn zu lösen, war ihm un-
möglich ; da diese während der Arbeit stets von neuem auf-
tauchten, wie die Köpfe der Hydra, war er kein rascher
Arbeiter. Aber um so stetiger und ausdauernder. Wo er
ging und stand, bohrte es in seinem Kopf; es dachte un-
unterbrochen in ihm fort, selbst wenn er unter Leute kam;
zu den Gelehrten, bei welchen die Arbeit erst anfängt, wenn
sie sich zum Schreibtisch setzen, hat Strohal nie gehört. Zu
den Zerstreuten oder gar Weltfremden durfte man ihn des-
halb keineswegs rechnen, wenn er auch die Alltäglichkeiten
des Lebens gern anderen zur Besorgung überließ. Zu seiner
Gewissenhaftigkeit gehörte es auch, daß er ein pünktlicher Leser
der Fachliteratur war und nicht bloß der rein dogmatisch-
zivilistischen. Auch rechtshistorische Arbeiten pflegte er mit
Pünktlichkeit und Verständnis durchzuarbeiten; noch aus
seinen letzten Arbeiten sieht man, wie genau er mit den
geschichtlicken Forschungen über Schuld und Haftung im
germanischen, griechischen und assyrischen Recht bekannt war.
Am meisten vertraut war er freilich mit der romanistischen
Literatur; sehr treffend spricht sein Freund O. v. Gierte in
den schönen der Erinnerung an Strohal gewidmeten Zeilen
im 64. Band dieser Jahrbücher S. 356 von Strohals
„romanistischer Grundstimmung". Diese ist in allen seinen
Arbeiten unverkennbar — ein gemeinsames Erbteil der Zivi-
listen aus der älteren Generation, das bei ihm durch spätere
Studien noch manche Anwachsung erfahren hatte.
Solcher Gründlichkeit entspricht es, daß Strohals Ar-
beiten, die kleineren wie die größeren, hervorragend sind
durch ihre Zuverlässigkeit. Strohal hat nie ein Wort ge-
schrieben, ohne es, man darf nicht sagen zweimal, sondern
unzähligemal nach allen Richtungen überlegt zu haben. In

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