Volltext: Jherings Jahrbücher für die Dogmatik des bürgerlichen Rechts (Bd. 65 = 2.F. 29 (1915))

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Ludwig Mittels,

war praktisch kaum ernst zu nehmen, aber es war für sein
Verhältnis zu jener Stadt sehr bezeichnend.
Doch sollte der Aufenthalt in Göttingen nur ein kurzer
sein. Schon nach einem halben Jahr bot sich nach
I. E. Kuntzes Tod der Juristenfakultüt in Leipzig die
Gelegenheit, Strohal zu gewinnen; im April 1894 rückte
er in das neue Lehramt ein. Er las in Leipzig zunächst
Pandekten und Sächsisches Privatrecht, sowie seit 1895 auch
über das Bürgerliche Gesetzbuch; über dieses hat er im
Winter 1896/97 auch orientierende Vorlesungen für Reichs-
gerichtsräte und sächsische Praktiker mit großem Erfolg gehalten;
später auch Vortrüge in Dessau. Von da ab datieren zahl-
reiche Beziehungen zur Praxis, namentlich zu den Senats-
prüsidenten Dr. Bingn er, Dr. Wiener, dem damaligen
Reichsgerichtsrat und derzeitigen Senatspräsidenten Dr.
Planck u. v. a. Mit zwei hervorragenden Mitgliedern
des Reichsgerichts, resp. der Reichsanwaltschaft, wie Prä-
sident Dr. Drechsler und Oberreichsanwalt Dr. v.Ols-
hausen waren solche schon durch die gemeinsame Tätig-
keit auf dem deutschen Juristentag begründet worden.
V.
Die Leipziger Juristenfakultät hat seit 1875 durch vierzig
Jahre das Glück gehabt, die führenden Männer der deutschen
Zivilistik ihr eigen zu nennen. Zunächst von 1875—1891
Bernhard Windscheid, den Meister der ausgehen-
den Pandektenwissenschaft, dann von 1893—1914 Emil
Strohal, den Pfadfinder auf dem Boden des neuen
bürgerlichen Rechts. Das wissenschaftliche Naturell dieser
beiden Gelehrten entsprach merkwürdig den Anforderungen,
die durch die Eigenart ihrer Aufgabe ihnen gestellt war.
Zu der Zeit, als Wind scheid sein Pandektenlehrbuch ver-

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