Volltext: Jherings Jahrbücher für die Dogmatik des bürgerlichen Rechts (Bd. 65 = 2.F. 29 (1915))

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Ludwig Mittels,

Arbeit ist allerdings nicht von vornherein mit Rücksicht auf
den Entwurf geschrieben worden, denn schon im Winter
1886/87 zeigte mir Demel ins einen Brief Strohals,
worin dieser ihm mitteilte, daß er sich derzeit mit dem
Kausaproblem befasse. Die Berücksichtigung des Entwurfs
ist also erst später hinzugetreten. Dem folgten bald die
„Anfechtung letztwilliger Verfügungen im deutschen Entwurf"
(1892, Festgabe für R. v. IHering), sowie die „Stadien
zum Besitzrecht" und die „Streifzüge im Entwurf", Bd. 28 u. ff.
dieser Jahrbücher.
Um jene Zeit hatte Strohals Ansehen auch im
Reich bereits Fuß gefaßt. Bei einem Besuch, den ich
Heinrich Dernburg im Frühjahr 1892 abstattete, nannte
er mir ihn als einen Mann, den man nächstens für eine
deutsche Universität gewinnen müßte. Der Anlaß dazu trat
ein, als im September 1892 Rudolf v. IHering ge-
storben war. Dieser hatte in den letzten Jahren seines
Lebens mit Strohal freundschaftliche Beziehungen ange-
knüpft und ihn in Göttingen als seinen richtigen Nachfolger
empfohlen. So kam es zu einem Ruf nach Göttingen, dem
Strohal gern Folge leistete, obwohl die heimatliche Re-
gierung unter Baron Gautsch (wenn ich nicht irre, unter
Intervention von Adolph Exner) energische Bemühungen
entfaltete, um ihn in Oesterreich zu halten, und mit ihm über
eine Berufung nach Wien zu verhandeln bereit war. Natürlich
war es jetzt zu spät. Jetzt, wo das Jnslebentreten des
Bürgerlichen Gesetzbuchs nur noch eine Frage kurzer Zeit
war, konnte für Strohal kein Zweifel sein, daß für ihn der
gewiesene Weg nach Göttingen führte, und um das Angebot
einer überzähligen Professur in Wien gegenüber der Nach-
folge IHerings verlockend zu sinden, hätte es schon einer
größeren Portion von österreichischem Nativismus bedurft,

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