Full text: Jherings Jahrbücher für die Dogmatik des bürgerlichen Rechts (Bd. 65 = 2.F. 29 (1915))

Emil Strohal.

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barer Vorzüge, die es für seine Zeit gehabt hat, heutzutage
doch ein völlig unzulängliches, allen Anforderungen der
modernen Zivilistik gegenüber versagendes Gesetz; einem
Juristen, der ein so feiner und exakter Techniker der Rechts-
ordnung war, mußte es auf die Dauer unerträglich sein,
die alte leistungsunfähige Maschine bedienen zu sollen. Alle
bis dahin erschienenen Schriften Strohals atmen ja ge-
rade das Bestreben, durch das Gesetz über das Gesetz hinaus-
zukommen. So die Transmission penäonto eonclieiono,
so das Eintragungsprinzip und die Prioritätsabtretung.
Aber ein solcher Kampf mit unzulänglichen Mitteln ist doch
auf die Dauer aufreibend, namentlich wenn der Erfolg ein
zweifelhafter ist. Strohal sah sich in diesem Kampf auch
weder durch eine großzügige Judikatur noch durch eine
gleichgesinnte Rechtslehre unterstützt und mag gar wohl
gewußt haben, daß es auch an Konservativen nicht fehlte,
welche seine Bemühungen als Willkür und seine Resultate
als unsicher hinzustellen trachteten. Da kam das erlösende Er-
eignis ; im Jahre 1888 wurde der erste Entwurf des deutschen
Bürgerlichen Gesetzbuches veröffentlicht; daß Strohal einer
der Ersten sein würde, welche die große Aufgabe in Angriff
nahmen, am Auf- und Ausbau des neuen Rechts mitzu-
zuwirken, war selbstverständlich. Die Richtung, in der er
hierbei wirkte, war allerdings nur die technisch-juristische;
für die soziale Seite der Dinge, welche hier von Otto
v. Gierke und Anton Menger in so verdienstvoller
Weise in Angriff genommen wurde, hatte Strohal überhaupt,
ebenso wie in der Politik, merkwürdig wenig Interesse. Um
so mehr sah er auf juristische Exaktheit.
Die erste Frucht dieser Bestrebungen ist die Schrift
über Rechtsübertragung und Kausalgeschäft im Hinblick auf
den Entwurf usf., im 27. Band dieser Jahrbücher. Die
LXV. 2. F. XXIX. 2

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