Full text: Volume (Bd. 65 = 2.F. 29 (1915))

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K. Schneider,

entsteht. Sie ist für dessen Ausgleichung mitbestimmt; nicht
aber grundsätzlich, wie nach § 249 BGB., zu dessen voll-
ständiger Deckung. Das wird von Oertmann in seinem
oben angegebenen Buche (S. 125 unten), soviel ich sehe,
verkannt. Der Unterschied mag Praktisch nicht sehr wichtig
sein; aber er besteht und darf nicht übersehen werden. So
ist bei der Versicherung regelmäßig die Berücksichtigung der
persönlichen Verhältnisse des Versicherungsnehmers, soweit
sie nur als „mittelbar" geschädigt anzusehen sind, aus-
geschlossen.
Jedenfalls bleibt es lehrreich, daß § 255 die Abtretungs-
pflicht auf die aus dem Eigentum der verlorenen Sache
hervorgehenden Ansprüche beschränkt und damit von einer
Abtretung jedes fluorum ex negotiatione pereeptum^,
z. B. aus einer Versicherung der Sache, absieht. Wie
sich das nach gemeinem Recht stellte, möge man in den
zum Teil weniger befriedigenden Abhandlungen von Jhe-
ring, Mommsen und Lippmann*) über diesen Punkt
vergleichen. Bemerkenswert ist, daß das VVG. selbst diese
Auffassung hat. Denn erwächst der „Anspruch auf Ersatz
des Schadens gegen einen Dritten" aus einer auch bei diesem
Dritten genommenen Versicherung, so soll nicht § 67, sondern
die Regel über Mehr- oder Doppelversicherung, also etwas
ganz anderes gelten: § 59; mein Kommentar S. 262; G e r -
Hard-Manes a. a. O. S. 313 unten.
1) IHering, Abhandlungen und „Jahrbücher für Dog-
matik" Bd. 3; Mommsen, „Erläuterungen" und „Beiträge"
Bd. 1; Lippmann in den bezeichneten Jahrbüchern Bd. 7. —
Motive zum I. Entwürfe Bd. 2 S. 24. Die gelegentlich hierzu
angeführte IW. 1908 S. 446 bietet nichts. Es ist übrigens be-
zeichnend für die früheren Verhältnisse, daß selbst ein so geistvoller
Jurist, wie R. v. Jhering, in stetem Kampfe mit den Quellen
der Sache selbst so wenig praktisch nahezutreten vermochte!

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